Männerpfade im neuen Outfit

Seit kurzem ist die neue Website von Männerpfade online. Ich habe schon mal auf ihr „gestöbert“.
In klarer Sprache und übersichtlicher Form informiert sie über die Ziele von Männerpfade. Für mich ist sie sehr inspirierend und ich wünsche ihr, dass möglichst viele Männer durch sie auf Männerpfade aufmerksam werden, die Angebote genutzt werden und ein reger Austausch stattfinden wird.
An dieser Stelle ein großer Dank an die „guten Geister“, die viele Stunden investiert haben, um das neue Outfit zu kreieren.
Genauso viel Dank gilt den Männern, die bisher für das Gelingen der „alten“ Website verantwortlich waren.
In brüderlicher Verbundenheit
für den Hüterrat
Thomas

PS: Hinterlasst gern einen Kommentar oder schickt eure Wünsche und Anregungen an das Team Website

Awakening Brotherhood

Awakening Brotherhood, das war das Motto bei Eurosoul vergangenen Freitag und Samstag.
Aber wie übersetze ich es auf Deutsch? Bruderschaft erwecken? Oder „Erwachende Bruderschaft“?
Mir ist es seit einiger Zeit wichtig, bei Eurosoul dabei zu sein. Vor ein paar Jahren habe ich Angst bekommen, dass Europa wieder zerfallen könnte: Brexit, Flüchtlingsverteilung, Hilfsgelder.
Immer wieder mal merke ich auch in mir selber Ressentiments. Vor ein paar Jahren bin ich an den „Rauchröhren“ Klettern gegangen. Am Parkplatz waren sonst nur Autos mit tschechischen Kennzeichen.
Wie üblich habe ich die anderen Kletterer gegrüßt, gleich mit tschechischem „Ahoj“, aber
keiner hat geantwortet, auch ein nachgeschobenes „Servus“ war kein Erfolg. Meine innerliche Antwort: „Sch… Tschechen, warum bleibt ihr nicht drüben, wenn ihr noch nicht mal grüßt?“
Ich sehe meine Abneigungen, gestehe sie ein und erkenne sie an (meistens hoffentlich…). Ich glaube aber, dass das allein nicht reicht. Ich glaube, dass ich mich im Rahmen meiner Möglichkeiten auch darum bemühen muss, sie zu überwinden.
Bei Eurosoul finden einige Männer zusammen, denen die Überwindung der Ressentiments sehr wichtig ist. Einer davon ist Pete. Ich fühle mich ihm sehr verbunden, obwohl wir aus ganz unterschiedlichen Richtungen, speziell im Bereich der Spiritualität, kommen. Pete hat bei Eurosoul sinngemäß folgendes gesagt: Wir müssen unsere Geschichten kennen, um zusammen Gemeinschaft zu haben. Wir müssen uns um die Gemeinschaft kümmern, sonst wird sie keinen Bestand haben. Das möchte ich zu einem Kern meines Bemühens machen.
Zum Schluss gab es ein Segensgebet: „… Möge das Feuer, das wir entfacht haben, unsere Zweifel in Vertrauen verwandeln, unser Getrenntsein in Freundschaft, unsere Freundschaft in Brüderlichkeit …“. Mich hat die Reihenfolge Freundschaft-Brüderlichkeit irritiert. Braucht Freundschaft Brüderlichkeit oder Brüderlichkeit Freundschaft? Für mich ist Brüderlichkeit insofern die größere Herausforderung, als dass ich glaube, dass sie ohne Sympathie auskommen sollte.
Ich glaube, dass es essentiell ist, den Nächsten als Bruder anzunehmen lernen. Nicht nur innerhalb Männerpfade, auch nicht nur bei Eurosoul, sondern weit darüber hinaus. Angefangen in der eigenen politischen und ggf. kirchlichen Gemeinde, der Arbeit und so weiter, wo immer wir unterwegs sind, jenseits aller Sympathie, spiritueller Herkunft, Kultur und so weiter. Meine Angst ist, dass es auch unsere innerdeutsche Gesellschaft mittelfristig zerreißt, wenn wir das nicht tun und andere mitnehmen.
Zu unterschiedlich sind unser aller Hintergründe.
Ich komme an den Anfang zurück: „Awakening Brotherhood“ heißt für mich: „Bemühen wir uns [auch jenseits der Sympathie, jenseits einer gemeinsamen Spiritualität, jenseits aller Gemeinsamkeiten] darum, Brüder und Schwestern zu sein“. Bemühen wir uns, uns um die unsichtbare Mitte aller Menschen guten Willens zu versammeln! Sichtbares Zeichen dafür: Das Feuer der Brüderlichkeit, das es bei Eurosoul als eigenen Zoomteilnehmer gab, und um das wir zuweilen stehen und sitzen, auch wenn nur eine Kerze ist. Aho.

Ich wünsche Dir eine gute Zeit und viel Freude mit den länger werdenden Tagen und der wieder neu wachsenden und blühenden Natur!
Falls Du an Jesus glaubst, wünsche ich Dir eine gesegnete Karwoche und im Vorgriff auf den Ostermorgen:
Χριστός ανέστη! Aληθώς ο Κύριος ανέστη!
Christus ist auferstanden! Wahrhaft, der HERR ist auferstanden!
Andreas Poschinger zum Ende des März 2021

Du bist nicht so wichtig

Die Corona­pan­de­mie stellt für mich neben Ein­schrän­kungen und Lebens­ver­ände­rungen auch einen psychosozialen Prozess dar, der die Ausbreitung der fünf Wahrheiten der Initiation in all ihrer Härte und Radikalität in mir und hoffentlich in anderen befördert!

Der Virus trennt Wesentliches von Unwesentlichem! Er zeigt mir wieviel selbst erschaffenen Ballast ich mit mir herumschleppe. Ein Ballast, der zur physischen, psychischen und spirituellen Erschöpfung führt. Immer wieder falle ich (du auch?) buchstäblich ins Hamsterrad von Existenzoptimierung, Geld verdienen, Besitz mehren, noch mehr Geld verdienen müssen, um Besitzerhaltung und Besitzmehrung fortzusetzen. Auch ich bin Kind unserer Gesellschaft. Die fünf Wahrheiten der Initiation lehren mich, die selbst erschaffenen Probleme und den Ballast eines in die Irre geleiteten Egos hinter mir zu lassen und zum wahren Selbst zu gelangen. Es GENUG SEIN LASSEN ist eine Tugend davon. Ich frage mich, ob ich zu den reifen Männern am Rande der Gesellschaft gehöre, zu den Ermutigern, die dort für die Reifung Anderer kämpfen?

Richard Rohr hat mich mit der dritten Wahrheit der Initiation – Du bist nicht so wichtig – ermahnt:
Demut (englisch humility) ist von zentraler Bedeutung für die menschliche Wahrhaftigkeit und das menschliche Glücklichsein. Du bist aus der Erde (Humus) geformt, deine einzige Würde besteht darin, dass du ein menschliches (humanes) Wesen bist, das von Gott innig geliebt wird. Alles andere ist (sinnloses) Beiwerk. Du schuldest dem Leben, der Schöpfung, den Anderen, dir selbst und Gott Respekt. Aber erwarte und fordere diesen Respekt nicht von Anderen. Du hast nicht das „Recht“ auf irgendetwas, außer dem Recht, das dir das Evangelium gibt: zu lieben und zu vergeben.

Ken Wilber stellt in seiner integralen Theorie folgende drei Fragen:
Dient es mir?
Dient es meiner Gruppe?
Dient es dem Großen und Ganzen?

Zwei Menschen mit ganz ähnlichen Intensionen zur selben Thematik. Beide ermutigen mich, ein wahres sinnstiftendes Leben zu führen, das mich, meine Mitmenschen und die gesamte Schöpfung mit all ihren Pflanzen, Tieren, Elementen, Verbindungen und den komplexen Wechselwirkungen erhält.
Reife Menschen beantworten die Fragen von Ken Wilber bei ihren Entscheidungen in der Regel mit dreimal JA! Reife Menschen lieben und vergeben immer wieder, weil sie selbst ihren Weg aus der Unreife, den Weg vom Kind zum Mann gegangen sind. Wie fallen deine Antworten aus, liebst und vergibst du?

Corona zeigt die Unreife unserer Gesellschaft in nie dagewesener Härte und Klarheit. Wie kleine Kinder jammert die Gesellschaft nach den täglichen Lustbarkeiten, den Schlagzeittotbeschäftigungen, dem immerwährenden Konsum. Die Chance in dieser Krise sehen wenige. Auf dem Hintergrund der fünf Wahrheiten der Initiation darf ich mich weder wundern noch erschrecken, es darf mich auch nicht in psychosoziale Nöte bringen, denn das Handwerkszeug zum reifen Leben habe ich in Oberwildflecken, am Brahmsee oder anderswo durch die Initiation erworben.
Rostet dein Werkzeug bei dir nun vor sich hin, haben die Motten es schon gefressen? Hast du ihm gar einen Ehrenplatz gegeben und behandelst es wie eine Bibel im Goldschnittformat? Zeigt dein Werkzeug Gebrauchsspuren, ist von dir optimiert worden und dein täglicher Begleiter?

In der Entstehungszeit des neuen Testamentes traf der Autor des Hebräerbriefes auf eine ähnliche Situation und schrieb dazu im Kapitel 5, 12-14
„Eigentlich müsstet ihr längst in der Lage sein, andere zu unterrichten; stattdessen braucht ihr selbst wieder jemand, der euch die grundlegenden Wahrheiten der Botschaft Gottes lehrt. Ihr habt sozusagen wieder Milch nötig statt fester Nahrung. Wer nur Milch verträgt, ist ein Kind und hat noch nicht die nötige Erfahrung, um sein Leben so zu gestalten, wie es nach Gottes Wort richtig ist. Feste Nahrung hingegen ist für Erwachsene, für reife Menschen also, deren Urteilsfähigkeit aufgrund ihrer Erfahrung so geschult ist, dass sie imstande sind, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden.“

Ein Investment in die Aufforstung des Regenwaldes dient dem Großen und Ganzen mehr als die Urlaubsreise dorthin. Die Förderung von sozialem Wohnungsbau befördert Frieden in der Gesellschaft und schafft menschenwürdiges Dasein. Lernpatenschaften führen junge Menschen in die eigene Unabhängigkeit. Welchem Mann stehst du und ich in dieser Krisenzeit bei? Welchen Mann führen wir durch das Zeugnis des eigenen Lebens in die Reife und werden durch das eigene Beispiel zur Chance für ihn?

Lasst uns also zu den Männern gehören, die das Gute von der Vor-Coronazeit würdigen und behalten, das Untaugliche loslassen und lasst uns Neues schaffen, was mir, dir, uns und dem Großen und Ganzen dient. Mit Liebe und Vergebung wird es gelingen.

Andreas Wolff
Leipzig, Februar 2021

Tut um Gottes Willen etwas Tapferes!

Am 06. Januar schoss eine Aktie um 17% in die Höhe. 17%! Und das in einem Umfeld, in dem mit den Stellen nach dem Komma operiert wird. Was war geschehen? In Amerika hatten erboste Bürger gerade das Weiße Haus gestürmt, weil sie Betrug und Verrat witterten. Fünf Menschen sind dabei getötet worden. Darauf schoss die Aktie von Smith & Wessen um 17% nach oben. Mich erschüttert dies sehr! Ich finde wahnsinnig, dass die Börse sofort reagiert, wenn irgendwo Anzeichen von Revolution, Bürgerkrieg oder Umsturz zu erkennen sind.* In diesem Fall war es in dem Land, das sich damit schmückt, die älteste Demokratie der Welt zu sein. In ihr sind Anzeichen für noch mehr Spaltung, noch mehr Trennung und damit noch mehr Auseinandersetzung und Gewalt zu sehen. Die
Folge, die Aktie einer Firma, die Waffen herstellt, schnellt nach oben. Ja, ich weiß, es ist nicht das einzige Beispiel und es ließe sich eine lange Liste erstellen, in denen Firmen wie Nestlé, Amazon, Balckrock und Shell vorkämen, in denen über Blutgold zu reden wäre und wo angesprochen werden müsste, dass an der Börse auch auf Hungersnöte gewettet wird. Um es klar zu sagen: Es geht NICHT um eine grundsätzliche Schelte aller Börsengeschäfte oder der gesamten Anleger und Geld verdienen ist nicht prinzipiell verwerflich. Es gibt reichlich ethische Anlagemöglichkeiten, die auch an der Börse gehandelt werden und wo andere Prinzipen als die reine Gewinnmaximierung gelten. Es geht jedoch darum, dass ethische, soziale und humane Werte nicht einfach über Bord geschmissen werden. Auch dann nicht, wenn Meinungsmacher und Meinungsführer einen dazu verführen wollen.
Wohin solches Treiben führen kann und zu was Menschen fähig sind, lehrt uns die Geschichte.
Napalm, agent Orange, Waterboarding und Kinderhandel sind nur die Spitze eines riesigen Eisberges, der sich bis ins Private, in die Familie, in die Partnerschaft hinein erstreckt. Gesellschaftlich umspült ist dieser „Eisberg“ von Begriffen wie Kollateralschäden und Human Resources. Letztere hießen früher mal Personalabteilungen, da kam die Person und nicht einfach die Arbeitskraft zur Sprache und Erzieherinnen hießen früher Kindergärtnerinnen, da war zumindest die Idee, dass sie hegen und pflegen und nicht einfach erziehen, im Wort manifest.
Tut um Gottes willen etwas Tapferes! So ist dieser Monatstext bewusst überschrieben. Der Titel stammt von einem Buch aus meinem Regal. Es beschreibt das Leben des Wuppertaler Pfarrers Karl Immer, der ab 1971 Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland war. „Tut um Gottes Willen etwas Tapferes!“ hat jedoch längere und ältere Wurzeln. Sie reichen bis in die Zeit der Reformation. Ulrich Zwingli, der Zürcher Reformator, schrieb diese Worte an die Wand des Züricher Münsters. Sie wurden das Leitmotto über seinem Leben. Karl Immer und Ulrich Zwingli ist gemein, dass sie sich mehr von ihrem Glauben und ihrer Überzeugung leiten ließen, denn von einer Mehrheitsmeinung oder Meinungsmachern.
Immer war es ein Anliegen, dass die Kirche und die Menschen, die sich in ihr bewegen, aus dem Widerstand der Kirche in der NS-Zeit ihre Lehren ziehen und diese Einsichten leben. Zwingli trat mit diesen Worten radikal für die Freiheit des Denkens und der freien Predigt ein. Er wollte die Freiheit, die erstritten war, bewahren.
Mir scheint, dass wir in einer Zeit leben, in der es mehr und mehr Mut braucht, sich für humane, für menschliche Werte einzusetzen. Relativ schnell wird man zum „Gutmenschen“ deformiert. Es braucht Mut dagegen zu halten und weil es Mut braucht, braucht es auch Orte der Stärkung, der Vergewisserung. In dem Zusammenhang denke ich gerne an die Ratsversammlung vor einigen Tagen zurück. In ihr konnte ich erleben, was es heißt, wenn Männer wertschätzend, zuhörend und in gegenseitiger Achtung miteinander unterwegs sind. Ich wünsche mir sehr, dass diese Gemeinschaft nicht einfach bei einem Jahrestreffen gelebt wird, sondern auch während des Jahres Gestalt und Ausprägung findet, die sich bis in die privaten kleinen und größeren Begegnungen hinein erstrecken.
Denn das Tapfere ist nicht einfach da zu finden, wo Großes auf einer (politischen) Bühne bewegt wird, sondern da, wo ethische, menschliche und soziale Überzeugungen gelebt werden. Sei es in einer vergebenden Geste nach einem Streit, sei es in einem Widerwort gegen stumpfe Parolen, sei es in einem Wort gegen das Gegeneinander. Das Große beginnt im Kleinen, sagt Jeff Bezos und der muss es wissen. Männer, ich freue mich ein Teil von Männerpfade zu sein und hier auch Mut und Motivation zu finden, damit ich um Gottes Willen etwas Tapferes tun kann!
Peter Hebeisen, Januar 2021

*Der Text ist vor der Amtseinführung von Joe Biden geschrieben. Was bei der Amtseinführung und in den Tagen danach passieren wird, wissen wir derzeit noch nicht.

Wenn Männer fragen

Ratsversammlung 2021. Ich stehe zur Wahl als Hüter. Aber es ist Thomas, der gewählt
wird. Ich bin äußerlich gelassen, innerlich ist „etwas“ los, das mir aber in der Situation
kaum bewusst, kaum bennbar ist.

Einige Männer fragten mich im Nachgang, wie es mir mit der Entscheidung ginge; sie
fragten das im ehrlichen Ansinnen zu erfahren, wie es um mich stünde. Und ich begann
von mir zu erzählen, im Bestreben das ebenso ehrlich zu beantworten, wie die
Fragenden mich gefragt hatten. Ganz im Sinne der Kleist´schen „allmählichen
Verfertigung der Gedanken [ich möchte ergänzen „und Gefühle“] beim Reden“ wurde
mir bewusst, dass mich das Nicht-Gewählt-Werden mehr betrifft als ich es mir
eingestehen konnte. Im Antworten auf die Frage erzählte ich mich hin zu den
Gegebenheiten, die da in mir schlummerten. Mir zeigte sich die Kränkung, die für mich
darin lag; ein anderes Mitglied meines inneren Untergrund-Konzerts deutete das ganze
als Zurückgewiesen-Werden; die Angst nicht dazugehören zu „dürfen“ kam zum
Vorschein. All diese inneren Erkundungen wurden auch angestoßen durch die Fragen
und das zugewandte Gehört-Werden. Die Kränkung und die Angst des
Zurückgewiesenen bahnte sich den Weg ins Benenn- und damit ins mir Eingestehbare.
Wieder einmal landete ich bei wohlbekannten Ängsten, aber so bekannt sie mir auch
sind, so untergründig schlummer(te)n sie in mir; die mit Interesse und der Bereitschaft
Zuzuhören gestellte Frage „Wie geht es Dir?“ hat mir die Möglichkeit gegeben, die
Vorhänge des inneren Theaters zur Seite zu ziehen.
Ich möchte uns alle ermutigen, uns in freundlicher Neu“gier“ zu begegnen, indem wir
uns einander fragende Impulse zukommen lassen und dann Zuhören wie Michael Ende
es bei seiner Momo beschreibt. Sie konnte nämlich so „zuhören, dass dummen Leuten
plötzlich sehr gescheite Gedanken kamen. […], dass ratlose und unentschlossene Leute
auf einmal ganz genau wussten, was sie wollten. Oder dass Schüchterne sich plötzlich
frei und mutig fühlten. Oder dass Unglückliche und Bedrückte zuversichtlich und froh
wurden.“
Die eigenen Gedanken und Interessen soweit hinten an zu stellen, dass das geht – das ist
auch ein Teil der Wahrheit, dass „es sich nicht um mich dreht“!
Andreas Hofmann
Januar 2021

Initiation, warum es sich lohnt

Ich werde nicht selten gefragt, was die Initiation denn nun ist und was davon im Nachgang zu erwarten ist. Erst kürzlich berichtete mir ein Mann der vor einiger Zeit durch die MROP ging, dass er jetzt erst das Gefühl habe, wirklich zu verstehen.
Und wie das so ist, gehe ich mit diesen Dingen die ich höre in die Stille nach Innen und bewege sie in mir. Manchmal Tage, manchmal Wochen, manchmal Monate später (und ich habe in manchen Dingen und Fragen schon Jahre gewartet) taucht dann ein Bild in mir auf. In diesen Momenten habe ich dann das Gefühl „Ja, genau so kann man es verstehen, sehen, beschreiben oder angehen.“

Ein solches Bild ist mir wieder mal gekommen.

Es ist noch nicht Äonen her, eher nur so um die 30 Jahre, da bin ich mit meinen Freunden mit dem Auto nach Italien an die Riviera gefahren. Damals gab noch keine Navis die einen an jeder Abbiegung informieren und Routen bei Bedarf einfach automatisch korrigieren. Damals ging man vor der eigentlichen Reise zu den „gelben Engeln“, dem ADAC, und fragte um eine Routenbeschreibung an. Daraufhin bekam man eine Art Mappe, in welcher sowohl Kartenmaterial mit eingezeichneter Route, als auch Infomaterial über Sehens­würdigkeiten entlang der Strecke und am Zielort zu finden war. Darunter Informationen über Klima, Kultur, Landeswährung, Umtauschkurse, Tankstellen etc.

Bevor wir losfuhren schauten wir meist nicht auf die Karte. Wir glaubten uns ja schon erwachsen, groß und fähig uns zumindest in Deutschland auszu­kennen. Doch im Gepäck waren wir mit dieser Reisemappe ausgestattet und machten uns auf den Weg nach Süden. Es war und blieb trotz Karte ein Abenteuer. Würden wir uns nicht doch verfahren, würde das Auto halten? Auf einer unserer Reisen tat es das nicht und wir steckten daraufhin 3 Tage in einem ausgestorbenen Nest namens Tortona fest.

Eine Tortur, doch dank unseres Kartenmaterials fanden wir eine Werkstatt. Und wenn wir auch von Samstag bis Montag in Hitze ausharren und auf eine Reparatur warten mussten, so war uns diese Mappe, dieses Kartenmaterial, immer wieder mal hilfreich. Und manchmal war es auch einfach gut zu schauen, wo wir uns gerade auf der Strecke befanden. Wie viel wir schon an Weg zurückgelegt hatten und wie viel an Weg noch vor uns lag.

Heute wage ich zu sagen, dass die MROP den Kartensatz für Deine Seelenreise vom Jungen zum Mann bereit stellt. Sie ist der begleitende „gelbe Engel“ der Dir dienen kann von dem Ort wo Du jetzt bist, hin zu Deinem wahren Selbst.

Jede Reise, welche kein Trip werden soll, beginnt ja bereits mit der Vorbereitung. Und die Initiation ist der Startpunkt Deiner ganz persönlichen Reise. Hier bereitest Du Dich vor, hier bekommst Du das Kartenmaterial und den Kompass für das vor Dir liegende Abenteuer Deines lebenslangen Weges als Mann in dieser Welt.

Dafür musst Du kein Clubmitglied werden! Um Dir Deinen Kartensatz zu holen, brauchst Du lediglich aufrichtige Neugier auf das, was da auf Deinem Weg liegt. Du brauchst ein offenes Herz, das bereit ist sich einzulassen und hinzufühlen. Und zu guter Letzt brauchst Du den Mut Deinen Willen für das zu öffnen, was sich (in) Dir zeigt.

Hol Dir JETZT Deinen Kartensatz! – Sei dabei in der MROP 2021 und melde Dich gleich an.

Antar Vimukto (Stefan) Brombach

Der fiese Montag

Wir hatten ein Männer­wochen­ende. Wir waren aus verschiedenen Gegenden Deutschlands zusammengekommen. Zuletzt hatten wir uns vor einem halben Jahr gesehen, dazwischen hatten wir mal telefoniert oder saßen online zusammen. Wir haben Zeit miteinander verbracht und saßen miteinander im Council: was ist seit deiner Initiation passiert? Jeder Mann hatte seine Geschichte zu erzählen. Das waren sehr bewegende Geschichten, direkt aus dem Herzen gesprochen.

Und dann fuhren wir wieder nach Hause, dort erwartete uns die Familie, eine Frau, ein Freund oder eben auch niemand.

Ich schrieb am nächsten Tag noch mal eine Mail an die Männer aus der Runde:

„…Ich hoffe, ihr seid alle wieder gut zu Hause angekommen und der Montag ist nicht allzu fies… “

Ein Mann aus der Runde antwortete mir:

„…doch, der Montag ist fies.
Das leben in Gemeinschaft hat seine Qualitäten (wie auch Herausforderungen) und nach so einem Wochenende fühl ich mich durchaus auch ein wenig allein. Ich weiss, ich bin es nicht; da ist die Familie, meine Frau und die in der Welt verteilten Freunde ….
und doch koche und trinke ich meinen Kaffee hier gerade allein… und das ist nicht nur schön ;o)…“

Während der Zeit der Initiation, in den Tagen von Mittwoch bis Sonntag, entsteht bei den Männern in den Kleingruppen als auch in den großen Runden – neben dem persönlichen Prozess – eine Brüderlichkeit, die sehr tief gehen kann. Die strahlenden Männeraugen am Sonntag, wenn die Männer in den Bus steigen, die Erfahrung der Tage im Gepäck, das Gold, das nicht verkleckert werden soll – so kommen sie nach Hause, zu ihren Lieben.

Der fiese Montag kommt – früher oder später. Die Ernüchterung: ich habe mich verändert in den letzten Tagen, warum die Welt um mich herum nicht? Was fange ich mit meinen Erfahrungen an, mit wem kann ich sie teilen? Wie kann ich den Funken, der in den Tagen entzündet wurde, hüten? Was kann ich davon weitertragen, um andere Männer anzustecken? Wo und mit wem kann ich diese Brüderlichkeit immer wieder einmal leben – in einer Männergruppe und zu anderen Gelegenheiten.

Und doch kommt immer wieder der Moment, wo wir uns trennen und jeder in seinen „Alltag“ zurück muss, vielleicht ein kleines Stück reicher als zuvor.

Es gibt das eine nicht ohne das andere – die brüderliche Begegnungen und den fiesen Montag danach.

Von einer Initiation beim Kentern mit einem Kajak…

Es ist Sommer, es ist heiß, ich bin träge. Es geht mir nicht gut. Alles ist zu viel. Ich will auf der faulen Haut liegen, am besten im Schatten, noch besser im Wasser. Ist da überhaupt Zeit und Energie, um mich mit Innerlichkeit und Selbstveränderung zu beschäftigen?

Ja, überraschenderweise ja. Und das hätte ich vor diesen Tagen und diesen Erfahrungen nicht gedacht.

Aber zunächst einmal zum Anfang. Der Name des Seminars, das an einem See stattfinden sollte, hörte sich erst einmal harmlos an: „Schwellenpaddeln“. Paddeln also, über Schwellen paddeln und auf seine Wahrnehmung achten. Auf sein Inneres. Sehr spannend. Und erst die Bilder auf der Website: Sehr einladend.

Der Verlauf orientiert sich am indigenen Medizinrad, den sogenannten „Vier Schilden“. Das kann man gut googeln, denn ich möchte nicht weiter darauf eingehen, außer, dass es ein ganzheitliches eben nicht lineares Entwicklungs- und Orientierungsmodell ist, das sich an den Himmelsrichtungen, den Jahreszeiten oder den Entwicklungszeiten des Menschen orientiert.

Ganz nach dem Motto des Sommers starten wir im Süden. Der steht für Körperlichkeit, Sinnlichkeit, Zugehörigkeit, Genuss oder biografisch für die Kindheit. Und ganz diesem Motto folgend werden wir nach einer kurzen Einführung aufs Wasser gelassen. Spielerisch erkundend, sich ausprobieren, in Kontakt kommen.

Den nächsten Tag können wir uns in der Weite einer längeren Tour ausprobieren. Wir paddeln(!) früh los, haben Zeit, über eine fiktive Schwelle eines Kanals zu gleiten, haben Zeit ,die Natur auf uns wirken zu lassen und uns in ihrem Spiegel zu betrachten. Dazu sitzen wir in einer Pause an Land im Council und erzählen und spiegeln uns unsere Eindrücke und Begegnungen. Aber noch immer sind wir im Süden, genießen bei einer Pause Eis und Kuchen und kommen erschöpft und erfüllt von all den Eindrücken im Camp wieder an.

Am nächsten Tag wird es dann innerlicher und ernster. Wir sind im Westen angelangt. Es gibt Fragen, mit denen wir allein in den Wald geschickt werden: Stimmt mein Kurs? Was behindert mich? Was muss ich vielleicht loslassen, um leichter diesem Kurs folgen zu können. Wir sollen das alles in kurze Sätze fassen.

Aber es bleibt nicht beim Nachdenken, Reden und Philosophieren.

Am Nachmittag machen wir uns auf den Weg … (ich will hier nicht zu viel verraten)… jetzt bekommen wir die Aufgabe, loszulassen, … und zu Kentern ! Das ist heftig. Keiner aus unserer Gruppe kennt diese Erfahrung. Es ist ein Sprung, bzw. eher ein Fall, ins Unbekannte. Wow. Was für eine Heraus-Forderung.

Mit einer großen Portion Unsicherheit steige ich in das Kajak und paddle auf den See….

Ja, es hat geklappt, es ist nichts passiert. Außer, dass mir dieser Moment eindringlich in Erinnerung bleiben wird. Dieser besondere Moment, in dem ich die Herausforderung annehme und mich dazu überwinde, meine Kontrolle loszulassen, mich selber aus dem Gleichgewicht bringe. Dieser Moment, diese Erfahrung hat sich tief eingeprägt. Alles frohe Gesichter um mich herum. Was für ein befreiendes Gefühl. Alle aus der Gruppe haben sich dieser Herausforderung, diesem Fall ins Unbekannte, gestellt und sie für sich bewältigt.

Für mich war das eine initiatorische Erfahrung:

Der Schritt in die Selbstverantwortung, in dem ich wieder und wieder etwas mehr loslasse, was mich an einem auch der Gemeinschaft dienenden Leben hindert. Kein leichter Schritt, ein Schritt, der mir etwas abfordert, bei dem es gilt, etwas Vertrautes loszulassen. Ein Fallen, das doch immer wieder belohnt wird.

Nein, Kentern ist keine reine Mutprobe, kein bungee jumping, auch wenn beides Mut erfordert (und Vertrauen). Diese Art von Mut steht für mich im Dienst einer Sache, weil sie die notwendige Bekräftigung einer Erkenntnis ist. Ein Preis für etwas Anderes, den ich bereit bin, zu bezahlen.

Um einer Sache willen, die ich „das größere Ganze“ nennen kann.

Es ging dann noch weiter im Medizinrad, über die Klärung und Konkretisierung meines Kurses im „Norden“ und der Unterstützung im „Osten“, auch hier will ich nicht mehr verraten. Was mich tief beeindruckt hat, ist vor allem die Erfahrung dieses „speziellen“ Kenterns.

Danke an Bettina und Jens von den „Naturkreisläufern“, danke an die Gruppe, dass ich diese Erfahrung machen durfte. Eine Erfahrung der Bekräftigung, die mich gestärkt hat und die mich weiter begleiten wird, gespeichert im Bild meines kenternden Kajaks… .

HO!

Walter, August 2020