Männerinitiation 2025

Sonntag, 29. Juni

Der Sonntag war prall gefüllt mit Programm, Sven teilte mit uns seine „Ode an die Brüderlichkeit“.
Am Ende war noch Zeit für ein Gruppenfoto.
Kurz nach 15 Uhr rollten die Busse mit glücklichen Männern vom Gelände.

Ode an die Brüderlichkeit

Männer, wir haben einander kennen gelernt.
Wörtlich: gelernt, einander zu kennen.
Zuerst: mit den Augen. Haben taxiert, gewertet, geurteilt, verglichen, abgegrenzt.

In Schubladen gesteckt.
Automatisch, blitzschnell, fast unbewusst.
Das macht unser Hirn so.
Dann haben wir einander gehört. Zugehört.
Mit ganzer Aufmerksamkeit, und bald mit offenem Herzen.
Das erste Bild hat sich verändert.
Wir haben uns gespürt.
Wir haben uns gefühlt.
Wir haben uns berührt. Auf der Haut und sehr viel tiefer.

Wir haben uns neu gesehen, mit anderen Augen.
Mit dem Herzen.
Ein völlig anderes, ganz neues Bild.
Uns mag fast beschämen, wie schnell, oberflächlich, hart und oft falsch unser erstes Urteil war.

Nun sind wir in unserem Mannsein gestärkt.
Was uns verbindet, ist unser Geschlecht.
Das heißt uns: Mann.
Uns alle.
Groß, klein, dünn, dick, krumm oder runzlig – auch darin haben wir einander gesehen.
Mit ebenso schnellem Vergleichen und Einordnen.

Zum Verbindenden der Männlichkeit gab uns die Natur die Konkurrenz.

Die führt zu Erhebung, Verdrängung, Unterdrückung, Diskriminierung, Feindschaft,
Mord und Krieg. Auch zu Unsicherheit und Depression.

Der Geist, das Herz, die Seele
geben uns die Chance der Brüderlichkeit,

die wahre, redliche Verbundenheit.
Die kann Toleranz, Akzeptanz, kann Liebe und Frieden.

Die Brüderlichkeit kann wahres Miteinander.

Männer: lasst uns diese Brüderlichkeit leben,
in die Welt bringen,
als positive Kraft,
als schöpferische Energie,

als alltägliches Prinzip

und als bewahrende Macht.

Zusammen mit dem Weiblichen
– in uns und um uns –

Für eine bessere Welt.

29.6.2025
Sven Ove Schindler

Samstag, 28. Juni

Nach dem eindrücklichen Morgengebetsritual verlassen die Männer durch das Tor das Gelände für ihre Solozeit in der Natur. Spannend wie alle Jahre ist, ob die Männer unseren Rückruf hören und zeitnah zurückkehren.
Es hat funktioniert! Nach den abschließenden Ritualen wurde am Feuer noch ein wenig gefeiert.

Freitag, 27. Juni

Der Tag ist gut gefüllt mit Morgenmeditation, Morgengebetsritual, Tagebuchzeit, Council in der Hüttengruppe, Gemeinschaftsritual am Nachmittag und abendlicher Einstimmung auf die Solozeit am Samstag. Die Männer haben Gelegenheit, den Raum der Stille zu besuchen.

Donnertsag, 26. Juni

In der Nacht hatte es ein wenig geregnet – aber der Tag begrüßte uns mit einem fröhlichen Weckton und Sonnenschein. Nach Morgenmeditation und Frühstück trafen wir uns zum Morgengebetsritual im „Heiligen Raum“.

Nach dem bewegenden Gemeinschaftsritual am Nachmittag sind die Männer jetzt im Schweigen bis zum Abendbrot.

Mittwoch, 25. Juni

Heute sind 30 Teilnehmer zur Männerinitiation 2025 angekommen. Jeder wurde mit einem Glockenschlag willkommen geheißen. Sie haben sich in ihren einfachen Hütten eingerichtet und die ersten beiden Treffen im „Heiligen Raum“ erlebt. Die Männer haben Trommeln dabei oder konnten eine ausleihen und so gab es am Abend schon mal eine gemeinsame Trommelrunde.


Den Tag beschloss ein zwangloses „Social“ und den Abschluss bildete ein gemeinsam gesungener Kanon bei den Fahnen. Und wow – das ging sogar vierstimmig.

Männer, Männlichkeit, Krise?


Was heißt Mann-sein heute? Es gibt viele Stimmen und Forderungen, aber immer weniger klare Rollenbilder. Im Gegenteil, Männer werden kritisch beäugt und stehen schnell unter dem Generalverdacht der „toxischen Männlichkeit“. Es wird immer schwieriger, männliche Identität zu definieren. Buchtitel wie folgender bringen das zum Ausdruck:

Der Mann ist in der Krise – ohne Beziehung zu den Kindern, unerfüllt auf der Arbeit, unsicher als Ehemann. Die Krise der Männlichkeit hat Auswirkungen nicht nur im privaten Bereich, sondern bis in gesellschaftliche Strukturen hinein. Sie hat viele Männer erfasst, Arbeiter wie Akademiker, Christen wie Nichtchristen.
Was also bedeutet Männlichkeit als echte innere Identität? Gibt es Wege heraus aus der Krise?“

(Krise der Männlichkeit, Leanne Payne)


Das sind gute Fragen. Was bedeutet heutzutage Männlichkeit als echte innere Identität ? Und – gibt es Wege aus der Krise ? Viele Männer zucken bei diesen Fragen oft nur mit den Schultern und machen weiter mit den Dingen, die sie halt so machen. Sind sie so selbstzufrieden, oder haben sie nur verlernt, sich diese Fragen überhaupt zu stellen? Wo sind sie, die unzufriedenen Männer? Unzufrieden mit sich und ihrem Leben. Äußernd nicht Frauen schon seit Jahren und immer wieder deutliche Kritik an „den Männern“? Und zeigen nicht auch die steigenden Zahlen von Alkohol- oder Drogenmissbrauch, Kauf- und Spielsucht, sowie die zunehmenden psychischen Erkrankungen, dass viele Männer richtungslos sind und insgeheim daran leiden, dass sie kein authentisches und wirklich erfülltes Leben leben? Sie ahnen vielleicht, dass ihr Leben mehr sein könnte, als nur Leistung, Rolle oder das Erfüllen von Erwartungen anderer – im Job, in der Freizeit und in der Liebe.

Warum ändern sie nichts? Warten sie vielleicht auf einen „Ruf “? So wie ihn Richard Campell in seinem Buch „der Heros in 1000 Gestalten“ beschrieben hat? Sein zukünftiger„Held“ ist nicht zufrieden mit seinem ganz normalen Leben. Er spürt eine Sehnsucht, eine innere Stimme, die ihn dazu drängt, aus dem Vertrauten aufzubrechen. Widerstände und Selbstzweifel aber hindern ihn zunächst daran. Folgt der Held jedoch seinem „Ruf“, so verändert sich sein Leben für immer…


Vielleicht müssen Männer aktiv angesprochen werden? Vielleicht gefragt werden? Bist du mit deinem Leben wirklich zufrieden? Ist wirklich alles in Ordnung? Wenn nicht, dann lass sie sein, deine alltäglichen Gewohnheiten und Ablenkungen. Trau dich was und konfrontiere dich mit den tieferen Wahrheiten deines Lebens. Wie gehst du mit Ohnmacht um? Kannst du geben, statt nur zu fordern? Was möchtest du dieser Welt hinterlassen? Lebst du wirklich? Kannst du Schmerz als Lehrer annehmen? Kannst du diese Fragen beantworten? Hältst du der Konfrontation mit deiner Geschichte, deinen Ängsten deinem Schmerz stand? Ja? Denn dann erst bekommst du eine Ahnung von deiner wahren Kraft und deiner Verantwortung für das, was wirklich zählt im Leben. Wenn Du, Mann, so einen Ruf hören kannst, dann bist du fast bereit.

Die 5-tägige Männer-Initiation nach Richard Rohr ruft dich an einem Punkt in deinem Leben, bei dem du spürst, dass du dich einer neuen Herausforderung stellen musst, um eine neue Wahrheit über dich zu erfahren. Um einen neuen Weg zu finden, heraus aus deinem früheren Leben hinein in eine tiefere Verbundenheit mit deiner ureigensten Aufgabe und dem Leben selbst. Diese Übergangsritualesind kein Therapie- oder Selbstoptimierungsprogramm. Sie bieten auch keine einfachen Lösungen. Aber sie weisen einen Weg (einen Männerpfad:). Einen Weg hin zu den wesentlichen Fragen des Menschseins und hin zu dem Mann, der du im innersten schon bist. Es ist auch ein Weg in die Natur und in die Stille. Ein Weg, den Männer in einer Gemeinschaft mit anderen Männern gehen, die bereit sind, sich dem Leben zu stellen. Begleitet und angeleitet von einem Team aus Männern, die diesen Weg schon gegangen sind. Sie unterstützen dich bei deinem Aufbruch… ins Leben.

Mann. Wenn du in deiner Krise wirklich neue Antworten finden willst, wenn du bereit bist, für eine wirkliche Herausforderung, dann folge diesem „Ruf“und melde dich an zur nächsten Männer-Initiation im Juni 2025.

Männer brauchen Gemeinschaft

Die Jahresversammlung 2025 von Männerpfade ist einige Tage her. Eine wichtige Erfahrung war wieder der Austausch und Kontakt untereinander. Der Alltag ist ein mächtiger Geselle und das Leben als (initiierter) Mann erfordert immer wieder den Austausch mit anderen (initiierten) Männern um auf seinem persönlichen und spirituellen Weg die Richtung zu behalten.

Viele Männer haben regionale Männergruppen, die diese Aufgabe erfüllen können, viele aber auch nicht.

Seit 2020 haben wir das Online Open Council bei Männerpfade und es bietet Dir die Möglichkeit, alle zwei Wochen für zwei Stunden aus Deinem Alltagstrott aus- und in unsere virtuelle Runde ums Feuer einzusteigen. Hier kannst Du vertraute Gesichter treffen und neue kennen lernen. Du gibst gleichzeitig neuen Männern die Möglichkeit, den Austausch, wie wir ihn im Council leben, zu erfahren. Das erleichtert manchem den Schritt zur Initiation.

Ich persönlich finde es immer wieder schön zu erleben, wie wir ein virtuelles Netz spannen: vom uns im Westen bis nach Dresden, vom Bodensee bis weit in den Norden. Und als Digital-Skeptiker bin ich fasziniert davon, wie gut Zoomen zur archaischen Kommunikationsform des Kreises mit Redestab passt.

Also: Wenn Du es noch nicht getan hast schau doch mal rein, das open council gibt es:

  • alle zwei Wochen
  • im Wechsel Dienstag / Donnerstag
  • von -pünktlich- 20:00 Uhr bis -pünklich- 22:00 Uhr
  • offen für initiierte und nicht-Initiierte Männer
  • die Termine und den Link findest Du im Kalender

Du triffst dort: Manfred, Walter, Wolfram oder Uwe als Gastgeber, berührende Geschichten toller Männer und vielleicht auch die neueste Neuigkeit über Dich selbst.

Herzlichst

Uwe

PS: Seit letztem Jahr machen wir Jahreszeiten Council in etwas größerer Form:

Es wird langsam heller, ein Ende des Winters ist in der Ferne zu ahnen:

Geh zusammen mit uns den Schritt in die neue Jahreszeit beim:

FRÜHLINGS-OPEN-COUNCIL

am 19.03.2025, 20:00 Uhr bis 22:00 Uhr

Wir freuen uns auf Dich

Manfred, Walter, Wolfram, Uwe

Mit dem Herzen sehen

Vor einigen Tagen hatte Anna-Rosa, meine Enkeltochter, ihren 1. Geburtstag.

Ich besuchte sie am frühen Morgen. Sie saß in ihrem Kinderstuhl und vor ihr auf dem Tisch stand ein Geburtstagsring mit einer Kerze, einer „1“, einem Schneemann und einem futtersuchenden Vogel. Und sie strahlte, wie ich es bei ihr noch nicht gesehen hatte. Waren unsere Herzenswünsche zum Geburtstag so schnell bei ihr angekommen und zauberten dieses Lächeln ins Gesicht? Ich hätte ihre Glückseligkeit mit geschlossenen Augen spüren können.

Eine andere Geschichte: Mein Vater hat in den 1950-er Jahren einen „Weihnachtsberg“ gebaut, eine erzgebirgische Tradition. Im Laufe der Jahre wurde er immer wieder mal umgebaut und erweitert. Jedes Jahr in der Adventszeit stand er im Wohnzimmer meiner Eltern und meine Mutter lud die verschiedensten Menschen ein, die dieses kleine Kunstwerk betrachten konnten. Betrachten reicht gar nicht: die Geschichten erleben, die dieser Weihnachtsberg erzählte, begonnen vom Bergwerk über die Striezelmarktbuden durch das Dorf auf zwei Etagen mit der Kirche aus unserem Heimatort hin zu der Krippe mit Maria, Josef und dem Kind, den Hirten und Schafen und den Weisen aus dem Morgenland bis zum Engelsorchester ganz oben.

Nach dem Tod meiner Eltern habe ich diesen Weihnachtsberg an ein Museum in der Nähe von Dresden verkauft. In der dortigen Weihnachtsausstellung wird dieser Weihnachtsberg nicht jedes Jahr gezeigt – aber 2024 war es wieder so weit.

Und so machten wir – meine Kinder mit ihren Kindern und ich – uns auf den Weg, diesen Weihnachtsberg zu besichtigen. Als erstes war ich selber überrascht, welche Wirkung das Werk meines Vaters auf mich machte. Und die Enkelkinder waren total begeistert und konnten sich nicht sattsehen, um die Geschichten, die der Weihnachtberg erzählen kann, zu entdecken.

Wenn ich ein Council hüte und die Vereinbarungen am Beginn erläutere, sage ich beim „von Herzen hören“, dass das auch heißt, nicht zu bewerten, was der Mensch mit dem Redestab gerade spricht. Dieser Mensch spricht gerade seine beste Wahrheit.

Es fällt mir nicht immer leicht, das auch anzunehmen. Aber es wird besser. Vielleicht hängt es mit meinem Alter zusammen, dass ich zunehmend weicher und mitfühlender werde – mit mir und mit den anderen Menschen.

Charles Eisenstein schreibt in seinen Büchern vom Zustand des Getrenntseins, in dem wir die meiste Zeit leben. Und dieser Zustand scheint sich nicht zu bessern.
Das Leben kennt das Getrenntsein nicht. Wenn ich in der Natur bin dann merke ich ziemlich rasch, dass es Getrenntsein nicht gibt. Alles um mich herum wirkt auf mich:

Wind, Hitze, Kälte, Regen, Schnee, der klopfende Specht, der warnende Eichelhäher, das vorbeihuschende Reh, die Maus im Laub – alles berührt mich unmittelbar und das wenigste davon sehe ich wirklich. Aber ich habe eine Ahnung davon. Ich spüre es in meinem Körper.

In einer Geschichte sagt der Fuchs zum kleinen Prinzen: „Hier ist mein Geheimnis. Es ist ganz einfach: man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ (Antoine de Saint-Exupéry „Der kleine Prinz“).

Das hoffe ich: immer öfter mit dem Herzen sehen und die Schönheit dieser Welt entdecken.

Manfred, Januar 2025

Kühles Morgenbad – 2 Minuten

S. (der Mann ganz links mit der blauen Mütze) lud alle Interessierten ein, vor dem Frühstück mit in die Quelle zum kurzen Bad zu kommen. Vor zwei Jahren hätte ich (der Mann mit der roten Mütze) das abgelehnt, aber ein Freund nahm mich am Neujahrstag 2023 im Isergebirge zum Anbaden mit – ich überlebte, eigentlich ganz gut.

Das Jahrestreffen von Männerpfade (Ratsversammlung) war richtig verbindend gewesen. Ich spürte gute Energie und wollte dabei sein. Nun hieß es aber, 2 min wäre eine gute Zeit, natürlich ohne Verpflichtung. Ich konnte mir das gar nicht vorstellen, aber meine 9 Mitbader irgendwie schon.

S. gab Tipps: Arme an den Körper pressen, Hände außerhalb lassen. Ich als Zweifler überlegte, dass das Wasserr ja wärmer als die Luft war, ob der Tipp gut war. Und dann ging es los, und viel überlegen ging nicht mehr. Und dann war ich drin, versuchte, die Arme an den Körper zu pressen und die Hände draußen zu lassen.

Schön, dass sich A. bereiterklärt hatte, zu fotografieren. Und da konnte ich nicht einfach wieder raus, dachte ich, die Fotos dauerten eben eine Weile. Siehe da – es fühlte sich gut an, so dass ich sogar mit einigem Erfolg versuchte, zu entspannen.

Nach 2 Minuten gingen die meisten wie ich hinaus und es war gut.

Viktor

Begegnungen auf dem Berg

KIM.M auf d’Oim! Offene Begegnung initiierter Männer auf der Alm

Zur Sommersonnenwende trafen sich zehn Männer auf einer Alm am Fuße des Zwieselberges in den Tölzer Voralpen. Drei Männer reisten schon am Vortag an, sowohl um mehr Auszeit in den Bergen zu haben, als auch, um die Hütte auf das Treffen vorzubereiten – einer war dafür extra aus Wien gekommen. 

Veranstaltet und vorbereitet wurde diese besondere Form der Begegnung auf dem Berg vom „Kreis Initiierter Männer im Raum München“, nach der Premiere im Juli 2023 nun zum zweiten Mal. Heuer war „Beziehungen“ das Thema. 

Am Freitag begannen alle zehn Männer die Auszeit gemeinsam durch einen bewussten Schwellengang. Einige waren dafür zuvor 500 Höhenmeter vom Tal zum Treffpunkt hoch gelaufen. Nach einer Räucher-Zeremonie mit Weißen Salbei gingen alle den letzten Kilometer in Stille zur Alm. 

Dort angekommen gab es verschiedene Rituale, Impulse und Zeit für Begegnungen mit sich selbst, zu zweit, in Kleingruppen und mit der Natur. Es wurde viel gesprochen, aufmerksam zugehört, geschwiegen, und auch gelacht, gesungen und getanzt. 

Zwischendurch wurden gemeinsam einfache, aber köstliche Mahlzeiten zubereitet. Übernachtet wurde auf dem Dachboden der Alm in einem Bettenlager. 
 
Einige Männer gingen früh morgens zum Sonnenauf- und / oder abends zum Sonnenuntergang auf den nahegelegenen Gipfel des Zwiesel, mit einer fantastischen Aussicht. Aber auch Unwetter in der Nacht mit heftigen Gewittern waren beeindruckend. Gut, dass zu dem Zeitpunkt alle in der sicheren Hütte waren. Schade nur, dass unser Feuer in der Feuerschale draußen auf diese Weise zweimal ein nasses, jähes Ende fand.
  
Nach 24 intensiven Stunden, die sich für die meisten länger anfühlten, gab es herzliche und innige Verabschiedungen und den Wunsch, ein solches Treffen in Zukunft wieder stattfinden zu lassen.

Das Gute, das Wahre und das Schöne !

392 Tage liegen nun zwischen dem letzten Tag meiner Männerinitiation in Nordbayern und dem ersten Wort das ich hier schreibe.

Es war bereits meine zweite Bewerbung zur Initiation. Dass ich ein Jahr zuvor, 2022, kurzer Hand aus privaten Gründen nicht teilnehmen konnte und vielleicht auch sollte, war sicherlich Teil des Weges. Für mich persönlich war das Durchlaufen der Initiation eine Zäsur, ein wichtiger markanter Meilenstein in meiner Mann-Entwicklung.

Was war der Anstoß dazu? Ein heftige Krise mit 38 Jahren! Arbeitsplatzverlust, Schaden meines „Ansehens“, wiederholt verletzte und enttäuschte Menschen (vor allem Frauen), Hausverbot, Strafanzeige, Strafbefehl und Geldstrafe. Alles selbst hervorgerufen. Vier Jahre vor dieser „heftigen“ Krise wurde außerdem meine Ehe geschieden, aus der ein wunderbarer Sohn hervorgegangen ist. Obwohl eine Scheidung nicht weniger eine Krise ist, fiel ich zu diesem Zeitpunkt wohl noch nicht tief genug um mein Handeln zu hinterfragen. Es sollte/musste heftiger kommen! Denn der Mensch macht im Laster das, was er nicht will, so schreibt es der Wiener Psychiater Raphael M. Bonelli in seinem Buch:

„Die Weisheit des Herzens“. Es war der Gipfel der vorhergegangen 20 Jahre. Plötzlich macht es BANG!

Wohin mich mein Pornografiekonsum einmal führen wird, konnte ich mir nicht vorstellen, zumal ich nie von mir selbst gesagt hätte ich wäre danach „süchtig“. Abgesehen davon, dass das Ansehen von Pornografie weder im „Geheimen“ noch in beidseitigem Einvernehmen innerhalb einer Beziehung Platz finden sollte, es beeinflusst uns, ob wir es wollen oder nicht, das ist mittlerweile meine persönliche Haltung zu diesem Problem. Meine guten Werte hielt ich nach eigenem Ermessen ein, mein Gewissen verdrängte ich. Mein Ego war groß genug und überzeugt, dass wann immer ES möchte mit Pornokonsum aufhören könnte. Das Gegenteil war der Fall, es nahm mich ein und beeinflusste mich unbewusst in andere Lebensbereiche hinein. Plötzlich war ich im freien Fall. Aufgefangen hat mich Gott!

Mir war ab diesem Zeitpunkt klar, dass ich Hilfe brauche. Ich wollte und möchte auch meinem Sohn ein gereifter, verantwortungsbewusster Vater sein. Dieser teuflische Kreislauf soll unterbrochen werden. Ich bin von Herzen dankbar, dass ich in dieser völligen Ausnahmesituation die Schuld auf mich nehmen wollte und es auch konnte, das war der wichtigste Schritt überhaupt um mich ent-schuldigen zu können. Nicht vor Gott, denn er hat mir durch Jesus bereits vergeben, aber bei all meinen Mitmenschen.

Es muss Licht bis in den letzten Winkel meines Herzens. Es ist höchste Zeit den eigenen Schatten anzusehen, vor allem wenn alle Anderen ihn bereits vor dir sehen. Ich fand 2020 Hilfe bei einem Psychotherapeuten und Arzt, der, so sollte sich erst eineinhalb Jahre später herausstellen, selbst ein initiierter Mann ist. Er, Klaus, hat mich dazu ermutigt mich für die Männerinitiation zu bewerben. Es war gut und richtig, danke Klaus.

Ich kann mich so gut daran erinnern, wie es nach einigen Sitzungen plötzlich wie Schuppen von meinen Augen fiel, dass ich abhängig von Pornos bin, es war eine so harte, tiefgehende Erkenntnis, über die ich Wochen „trauerte“. Du hast nicht die Kontrolle. There is a crack, a crack in everything.

Meiner Initiation ging also bereits ein Weg an seelischer Gesundwerdung voraus, ich empfand dabei das Übernehmen von Verantwortung für mein Handeln und das Bitten um Vergebung als die wesentlichen Voraussetzungen dafür. Die Initiation kam für mich dann auch zum rechten Zeitpunkt.

Wie habe ich die Initiation erlebt? Warum hat sie weiteres Licht in mein Dunkel gebracht? Es war wesentlich für mich, dass Regeln und Grenzen während der Initiation definiert und gegolten haben, insbesondere in den Kleingruppengesprächen. Obwohl alle anderen Männer erst einmal fremd waren, konnte ich mich das erste Mal außerhalb meiner Therapie öffnen, ich hatte Vertrauen, es war gegeben, geschenkt und ich wurde nie bewertet. Danke Männer!

Meine eigenen Wunden herauszufinden, sie zu erkennen, zu benennen, anzusehen und zu fühlen war so wichtig. Fühlen zu dürfen, Vergebung aufrichtig auszusprechen, denen die auch mich in meinem Leben verletzt haben, ist eine Frucht meiner Initiation, noch mehr gilt dies für das Bitten um Vergebung.

Erkennen und Verstehen ist immer Stückwerk, dieser Prozesse wird nie aufhören und das Ganze Große werden wir zu Lebzeiten nicht durchschauen können. Nach meiner Initiation fühlte ich mich stark, aufgetankt, motiviert aber auch nachdenklich bescheiden. Als Novize sollte mein Weg nun weitergehen, ich tauchte tiefer in Richard Rohrs Gedanken ein und habe mehrere seiner Bücher gelesen. Ich beschäftigte mich mit den männlichen Archetypen und konnte auch mich selbst besser verstehen. Ich habe meinen Eltern in jeder Hinsicht Vergebung ausgesprochen, nicht weil mir danach war, sondern weil auch mir viel Barmherzigkeit und Güte widerfahren ist. Nicht zu erwarten, dass gleichzeitig auch mir von anderen Menschen vergeben wird, ist hart und manchmal schwer auszuhalten.

Tatsächlich aber wird Gott weiter meine Wunden heilen und mir den rechten Weg bereiten, er wird mir helfen (Jesaja 41,10). Erst durch meine Initiation begann ich zu begreifen, was es bedeuten kann „nach oben zu fallen“-“falling upward“, so wie Richard Rohr es nennt. Ich durfte also weiter meinen Weg in der zweiten Lebenshälfte gehen. Tugenden wie Güte, Vergebung, Treue, Beständigkeit, Besonnenheit, Nachsicht, Verbundenheit und Entschlossenheit helfen mir dabei meinen „guten“ Werten, die immer schon in mir angelegt waren, in anderer Qualität und mit anderem Verständnis nachzukommen. Ich habe den Mut gefunden, mich selbstständig zu machen und um meine Beziehung, meine Liebe zu kämpfen. Sie hat neben Gott wohl immer schon auch in mein Herz schauen können und das Gute erkannt. Mit meinem Sohn gehe ich campen, baue Pfeil und Bogen und erzähl ihm davon warum es Krieger, Könige, Weise und „echte“ liebevolle Liebhaber braucht. Ich versuche es ihm vorzuleben, dass er selbst zu einem gereiften Mann heranwachsen kann.

Nein, es ist noch nicht Alles gut, es muss auch kein Glitzer drauf…..es ist aber viel besser, ehrlicher, entschlossener, ausgeglichener, friedvoller, verbindlicher und schöner. Meine Sucht habe ich unter Kontrolle. Die Kraft für diesen Weg gibt mir alleine Gott der Vater! Das ist meine wahre Erkenntnis.

Einst war ich ein Junge, und dachte wie ein Junge, jetzt bin ich ein Mann und lebe als Mann.

Vom Trüben und Steinigen…..

…..ins Klare und Wegweisende.

Danach

Ein Mann, der selbst initiiert wurde, hat mir mal erzählt, dass eine Initiation dadurch gekennzeichnet sei, dass es ein eindeutiges „Davor“ und ein davon deutlich abgegrenztes „Danach“ gäbe. Meine Initiation nach Richard Rohr durch die Brüder von Männerpfade ist jetzt gut ein Jahr her. Und ich frage mich immer mal wieder: „Was ist mein ‚Danach‘?“ Gab es ein eindeutiges, klar abgegrenztes „Davor“?

Ich habe noch keine Antworten darauf. Ich glaube nicht, dass ich mich oder etwas seitdem großartig verändert hat. Ich bin immer noch ich. Mein Haus, mein Auto, meine Familie… alles beim Alten.

Von einem anderen Mann habe ich mal gehört, dass das Leben ihn initiiert hat.

Die Erfahrungen, der Schmerz, die Brüche, die ein Mann erlebt, prägen ihn, sein Leben, sein Wesen und seine Sicht auf die Welt. Was bleibt von solchen Erlebnissen hängen? Was ist nach dem Bruch? Was kommt „danach“?

Geschichten aus meinem Leben

Ich möchte euch gerne drei Episoden aus meinen frühen Lebensjahren erzählen.

Als ich noch ein Kind war, bin ich einmal nachts aufgewacht, weil ich Angst hatte. Ich bin die knarzende Holztreppe zum Schlafzimmer meiner Mutter heruntergelaufen.

„Mama, ich hab’ Angst.“ „Was ist denn los?“ „Ich habe Angst vor dem Tod.“

Damals war die Angst für mich als Kind ganz gegenwärtig und real. Sie hat mich gelähmt. Ich war völlig aufgelöst. Das war der erste Moment, an den ich mich erinnern kann, in dem ich richtig große Angst vor dem Tod hatte.

Meine Mutter hat versucht, mich zu beruhigen. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, was sie gesagt hat. Ich weiß nur noch, dass ich auf ihrem Schoß saß und sie mich nach einiger Zeit wieder ins Bett brachte. Nach einer Weile schlief ich wieder ein.

Als Jugendlicher wurde mir langsam klar, dass niemand wirklich weiß, wie „das Leben funktioniert“. Als Kind dachte ich, dass ich nur alt genug werden muss, dann erklären mir die Erwachsenen schon, was das alles hier auf sich hat. Dann bekomme ich Antworten auf all meine Fragen:

Warum lebe ich? Und warum muss ich eigentlich sterben? Welchen Sinn hat das Leben? Was ist der Sinn von allem?

Ich dachte, die Erwachsenen wissen das. Als junger Mann habe ich dann gemerkt, dass niemand auf der Welt weiß, was das alles hier zu bedeuten hat, wie das Leben funktioniert und was es heißt, hier in diesem Universum zu leben.

Als mir das bewusst wurde, war ich ziemlich enttäuscht. Bis dahin dachte ich immer, die Erwachsenen wüssten all das. Schmerzhaft stellte sich das für mich nun als Illusion heraus.

Als junger Erwachsener war ich ziemlich unglücklich über das Ende meiner ersten „Beziehung“. Ich war einfach unzufrieden mit mir, meinem Leben, meiner Ausbildung und so weiter. Irgendwie war ich mit allem unzufrieden. Mit der Zeit ging es mir immer schlechter, also habe ich mir professionelle Hilfe gesucht. Die habe ich zwar letztendlich bekommen, aber leider erst nach einer sehr langen Wartezeit. Diese schwere seelische Krise war ein tiefer Einschnitt in meinem Leben. Sie beschäftigt mich bis heute.

Brüche davor, Fragen danach

Die drei Episoden stehen für einige Brüche in meinem Leben. Geplatzte Träume, leidvolle

Momente, unerfüllte Sehnsüchte…

Haben diese Erlebnisse mich „initiiert“, mich zu dem gemacht, der ich heute bin? Auf jeden Fall haben sie mich geprägt und wirken sich bis heute aus.

Manchmal überkommt mich immer noch die Angst vor dem Tod.

Die unbeantworteten Fragen zum Sinn des Lebens beschäftigen mich nach wie vor.

Ich habe gelernt, mit den Erlebnissen „umzugehen“. Meine Fragen, meine Ängste, meine Sehnsüchte, meine Träume… Ich schiebe sie zur Seite, rede sie klein, höre nicht hin, lenke mich ab, verdränge sie.

Die Erlebnisse haben dazu geführt, dass ich mich verändert habe. Insofern waren sie der Beginn von etwas Neuem, von etwas „Initialem“. Aber fühle ich mich jetzt, nach diesen Erfahrungen („danach“) initiiert? Eher nicht, würde ich sagen.

Was ich erlebt habe, ist einzigartig und gilt nur für mich. Ich bin einfach anders als alle anderen auf der Welt. Damit bin ich wohl der einzige Mensch im Universum, der so denkt und fühlt. Ich komme mir wie ein Alien vor, ziemlich fremd und allein in dieser Welt.

Und wie sah es vor einem Jahr aus? Was war vor meinem Aufbruch zur Initiation („davor“)? Was „danach“?

Ich weiß es nicht mehr so genau. Ich weiß nur noch, dass es sich richtig angefühlt hat, sich auf den Weg zu machen. Ich wollte mich darauf einlassen und etwas Neues wagen.

Klar, ich wusste nicht, ob sich durch die Initiation was ändert, ob mein Leben anders ist, ob ich anders bin oder werde. Und ehrlich gesagt weiß ich das heute auch (noch?) nicht so genau. Ich bin immer noch ich.

Aber inzwischen habe ich das Gefühl, dass sich im Vergleich zu „davor“ etwas geändert hat. Ich kann es nicht wirklich in Worte fassen. Es ist keine große Veränderung, kein deutlich spürbarer Umbruch in ein (davon klar abgegrenztes) „Danach“.

Ich kann das ganz gut mit dem in Verbindung bringen, was ich auch manchmal von anderen initiierten Männern höre. Die Initiation war sozusagen der Startschuss, der Anfang von etwas Neuem. Ich kann mich immer wieder neu und anders auf den Weg machen. Ich nehme mich selbst mehr wahr, versuche aufmerksamer, fühlender, offener und liebevoller zu sein. Und verbundener – mit mir und mit anderen.

Ich empfinde das Ganze als einen Prozess. Vor allem fühle ich mich nun mit anderen Männern, mit meinen Brüdern von Männerpfade verbunden. Besonders mit denen, die sich vor einem Jahr mit mir auf den Weg gemacht haben und sich getraut haben, sich einzulassen – ohne zu wissen, was „danach“ passiert.

Meine Fragen nach dem Sinn, meine Ängste, meine Gefühle, meine Trauer, mein Leid, meine Wut … All das ist weiterhin da, wenn ich auf mich und die Welt sehe. Und dadurch fühle ich mich manchmal schon wie ein Außenseiter, irgendwie komisch und sonderbar.

Ich habe jetzt aber endgültig verstanden (und erlebt!), dass ich mit solchen Fragen nicht allein bin. Ich bin nicht der einzige, der sich mit Gefühlen und Problemen konfrontiert sieht, die sich nicht einfach lösen oder beantworten lassen und einen schnell überfordern können – nicht nur mich.

Ich weiß, dass ich all das auf besondere Art und Weise teilen kann. Ich habe erfahren, wie man(n) sich verbunden fühlt, wenn man(n) sich zeigt, mitfühlt und seinem Gegenüber vertraut. Ich habe erlebt (gespürt und geschenkt bekommen), wie Männer sich öffnen und sich von bestimmten Dingen tief im Inneren berühren und anrühren lassen. Ich weiß, dass ein neuer Raum, heilend, heilig und heil, entstehen kann. Diese Erkenntnis ist für mich unendlich wertvoll.

Wenn es ein eindeutiges, klar abgegrenztes „Danach“ gibt (was ich bezweifle), gehört für mich dazu:

– Ich habe gelernt, wie Männer sich auf besondere Weise tief verbinden können. So etwas kannte ich „davor“ nicht. Ich finde es immer wieder erstaunlich und ein echtes Geschenk, wenn das passiert.

– Ich bin nicht allein mit all den Lebens- und Sinnfragen (und insbesondere kein „Alien“ 😉

– Ich versuche, freundlicher zu mir und meinen „Störenfrieden“ (Trauer, Ängsten, Fragen, Wut, unerfüllte Träume…) zu sein. Ich möchte lernen, sie als Wegbegleiter anzunehmen und (vielleicht sogar später mal) als Ratgeber hinzubitten.

Und wie ist es bei dir mit all deinen Fragen?

Hast du schon mal ein einschneidendes (initiales) Erlebnis gehabt, das dein Leben verändert hat? Und denkst du, dass „danach“ irgendwas anders war?

L. P.

Hüter der Schwelle

8.5.24 nach dem Firming in Eisenach
Hüter der Schwelle
Walter räuchert mich und Bernhard trennt mit der Rute meine Bande zur diesseitigen Welt, mit den Segenssprüchen dieser gütigen Männer trete ich frohgemut über die Schwelle in die Anderwelt, hinaus in die Wildnis – allein mit mir und der Natur, ohne Zelt, ohne Feuer, ohne Essen, ohne Uhr. Einen schönen Platz finde ich stromaufwärts direkt am Bach,
die Jagdhütte in Sichtweite oben am Berg beunruhigt mich zu Unrecht, aber die Wildschweinsuhle direkt hinter dem Baum, an dem ich meine Plane befestig habe lässt mich nach kurzer Abwägung alles wieder abbauen und weiterziehen.
Meinen Platz finde ich dann auf dem Kamm mit Blick auf den Bach, ein umgestürzter toter Baum und davor ein ganz kleiner neugeborener, der gerade seine Blütenknospen öffnet laden mich ein: hier zwischen Tod und Neugeburt bin ich richtig.
Als alles getan ist und ich sitze, auf das Wasser hinunterschaue und den Vögeln lausche stellen sie sich ein, meine Hüter der Schwelle, und da sind sie: Kälte und Unruhe. Es geht mir immer schlechter, weiß mich nicht zu lassen, werde nicht warm, finde keine Ruhe. Der graue Himmel lässt keine Tageszeit erahnen, die Kälte dringt mir in die Glieder, rastlos treiben die Gedanken. Schließlich erkenne ich meine alten Familienmitglieder: die Kälte des Vaters und die Unruhe der Mutter. Komm in die Gänge, Andreas, benutze deinen Verstand, deine Erfahrung und deine Kraft, deine Sinne und deine Intuition! Mit Singen und Beten, Atmen und Tai Chi werde ich ein bisschen wärmer, Ich schreibe ein Gedicht über den munteren Bach im Tal und sein vielstimmiges Gebrabbel und Gekicher. Ich begrüße die großen
Buchen, Eichen und Ulmen auf meinem Kamm und begreife, warum ich unten am Bach nicht bleiben konnte: hier, unter den Männern ist mein Platz, hier werde ich ruhig. Das Weibliche unten im Tal grüße ich von hier mit Dankbarkeit, Freude und Respekt.
Ich finde einen schönen langen Strecken und trete in den Kreis der großen Bäume. Ich bitte um ihre Weisheit und Kraft und um ihren Segen. Ihre Großzügigkeit wärmt mich und ihr freundlicher Spott macht mich ruhig. Nur Männer können Männer heilen, sagt Bernhard später. Die Kälte verlangt nach meiner Wärme, und ich verspreche, ich gebe weiter, was ich bekommen habe. Der Herr ist mein Hirte, aber mein Stecken und Stab werden die Zuversicht weitergeben.
Früh bin ich wach, packe meine Sachen und sitze: das Morgenkonzert der Vögel, die vielen kleinen Stimmen des Bachlaufs im Tal, der heitere Ernst der großen Bäume auf der Höhe, die dunklen umgefallenen Stämme und unter ihnen die Schösslinge mit ihrem frischen Grün.
Dann ruft mich Manfreds Trommel, Bernhard begrüßt mich an der Schwelle, reich beschenkt kehre ich zurück zu den Menschen.

Andreas

Bachlauf, du munterer
spül meine Schmerzen
wieder zurück zu mir
zu lange steckten sie fest
unter dem Staudamm der Lüge.

Zu lange saß ich am breiten Fluss
der unterworfenen Städte
gefügig gemacht durch den
steinernen Frieden trug er
die Lastkähne wie ein stummes Tier

Du aber kleiner Bach
du gluckst und kicherst
bei jedem neuen Hinternis
und dein vielstimmiges Gelächter
heilt mein schmerzloses Leid.

Andreas

Du entscheidest!

Der Imperativ in der Überschrift nimmt die Antwort vorweg. Du entscheidest!
Doch wie lautet die dazu gehörende Frage? Bevor dieses „Geheimnis“ gelüftet wird,
zunächst eine kleine Einordnung.

Vor einigen Wochen haben wir ein neues Jahr begonnen. Viele nehmen sich im
Jahreswechsel an Silvester Dinge vor und machen sich an einem Abend gute Vorsätze
fürs neue Jahr. Du auch? Ich schon!
In diesem Jahr habe ich die Raunächte gefeiert. 13 Wünsche galt es zu formulieren. Während 12 Wünsche an Gott und an das Universum abgegeben werden konnten, indem sie Nacht für Nacht verbrannt wurden, liegt die Erfüllung des letzen Wunsches in der eigenen Verantwortung. Niemand und nichts kümmert sich darum, wenn ich es nicht selber mache. Ich entscheide, ob der Wunsch ein Wunsch bleibt oder ein Ziel wird, das eine Chance auf Realisierung hat.
Mein 13. Wunsch lautet: Der neue Disponent macht seine Arbeit gut! Und ich habe mehr Zeit für mich. Der „Disponent“ ist in dem Fall keine angestellte Person, sondern eine Figur aus meinem inneren Team.

Der „alte Disponent“ hat alle freien Zeiten mit beruflichen Terminen gefüllt. Das logische Ergebnis war viel Arbeit, zu viele Anforderungen, wenig Erholung und gelegentlich streikte meine Motivation und ich fand mich am Rande meiner Kräfte wieder.

Da der Wunsch kein Wunsch bleiben sondern Realitiät werden soll, habe ich einen „neuen Disponenten“ eingestellt. Weniger prosaisch: Ich habe mir ein Ziel gesetzt. Ich will mehr Achtsamkeit und mehr Augenmaß im Umgang mit meinen persönlichen Kräften, meinen Grenzen und meinen Ressourcen üben. Ich will Zeiten einplanen, die auch wirklich frei bleiben, die der Muße und der Entspannung dienen. Ein toller Gedanke und eine schöne Perspektive!

Und dann merke ich, wie sich in dieses Ziel Vorbehalte mischen, wie mehrere ABER sich Raum verschaffen wollen. Was mache ich mit der Zeit, die dann mehr ist? Wird mir dann nicht langweilig? Habe ich Hobbies?
Solche und ähnliche Fragen schlichen sich ein. Zunächst schüttelte ich den Kopf. Dann schaute ich noch etwas tiefer und es stellten sich neue, existentiellere Fragen: Was ist das Maß für genug? Was denkst du wirklich über dich? Bist du, was du schaffst? Bemisst du dich selbst nach deiner Leistung?

Tja, was bin ich, wenn ich weniger oder nichts mehr leiste? Die Frage geht mir nah, sie trifft mich und macht mich unruhig. Sie wartet auf Antwort und so wird die Frage mich begleiten. Wohl nicht nur die ersten Wochen, sondern mindestens das gesamte Jahr über. Niemand wird die Entscheidung für mich treffen. Ich werde entscheiden und Antworten finden. Und es geht um viel. Es geht um mich, um meine Gesundheit, um mein Leben. Ich entscheide, wo die Reise hingehen wird.

Vielleicht hast du ähnliche Fragen. Vielleicht befindest du dich auch auf dieser inneren Reise. Dann lass uns, wenn wir uns sehen, darüber reden und uns Anteil geben.
Ich freue mich an deiner inneren Reise Anteil haben zu dürfen.

Peter H.