Durch die Wunden hindurch

von Felix Stumpf

In Dante Alighieris Göttlicher Komödie von 1321 wird eine Reise durch die drei Reiche der jenseitigen Welt beschrieben. Die letzte führt vom irdischen Paradies, dem Garten Eden in das himmlische Paradies. Dante (und Beatrice) betreten die himmlischen Sphären der sieben klassischen Planeten Mond, Merkur, Venus, Sonne, Mars, Jupiter und Saturn. Von dort steigen sie auf in den Fixsternhimmel, den Kristallhimmel und betreten schließlich das Empyreum. Dort strahlt in göttlichem Licht die Himmlische Rose der Liebe.

Empyreum vom Künstler Gustave Doré

Diese wunderbare Heldenreise von Dante inspirierte mich zu einem Kunstwerk, welches 2020 den 1. Preis in einem Kunstwettbewerb der Ausstellungsfolge „Plastik und Blumen“ im Treptower Park Berlin gewann. In meiner hierzu entworfenen temporären Skulptur schuf ich eine Verbindung zwischen Dantes Weg ins Paradies und dem Corona-Pandemie-Lockdown Anfang letzten Jahres. Die Aussage der Skulptur ist: Unser Leid und unsere Begrenzung hat die Kraft sich in etwas gutes zu Wandeln, wir dürfen bloß den Blick auf das Licht (das Vertrauen) nicht verlieren und müssen die Kontrolle abgeben, und uns auf den Weg „hindurch“ einlassen. Der Name der Kunstwerkes ist daher: Himmlische Rose (Hoffnung, Wandel und Paradies).

Himmlische Rose (Hoffnung, Wandel und Paradies) von Felix Stumpf, Foto: Ivar Veermäe

Wie ihr merkt, sind meine Erfahrungen der Initiation mittlerweile in meiner Kunst angekommen. Und es scheint als sind die Menschen offen und bereit für die Botschaft des Wandels. Kurze Zeit später gewann ich erneut einen Wettbewerb mit einer Grafik, die eine ähnliche Aussage hat. Das macht mir Mut.

Portal (Cyan, Gelb) von Felix Stumpf

Seit meiner Erfahrungen der Initiation 2016 in Österreich kenne ich die Notwendigkeit, den transformativen Weg des Leides selbst zu gehen und zu vertrauen. Die Initiation kam genau in der Zeit meines Lebens, in der alles in meiner Welt bergab zu gehen schien. Ich war Ende dreißig und hatte großes persönliches Leid. Hinzu kam, dass ich mich finanziell in einer sehr prekären Situation befand. Ich hatte hohe Schulden und keinerlei Gewissheit auf Besserung meiner beruflichen Situation. Das Gefühl des Scheiterns, dass sich anfühlte als ob alles im Sande verrinnt, beherrschte mein Leben.

Es ist wohl bekannt: Ein Leben als freier Künstler ist meist ein Leben großer finanzieller Unsicherheiten. Es ist aber, wenn man es aus einer anderen Perspektive betrachtet ein Leben, das sich nicht so leicht von scheinbaren „Sicherheiten“ gefangen nehmen lässt. (Vielleicht spricht man deshalb auch vom „freien Künstler“?)
Aus der Perspektive des konventionellen bürgerlichen Glücks scheint der Preis für Freiheit hierbei hoch. Kein Geld = Keine Urlaub = Kein Vergnügen = Keine Familie = Glück: Ade!

Wahrscheinlich sehnte und neidete ich dieses Glück sehr. Und reagierte mit einer trotzigen Übertreibung eines unkonventionellen Leben (oder vielmehr was meine Vorstellung davon war). Ich stand auf wann ich wollte, ging zu Bett wann ich wollte, arbeitete was und wann ich wollte und hatte mit vielen Frauen gleichzeitig Beziehungen unterschiedlichster Art. Mein „freies Leben“ war letztendlich nur ein haltloses (haltungsloses) Leben. “.

Ich dachte ich wäre frei, da ich wähle. Doch in Wahrheit wurde ich von meinen Dämonen gefangen gehalten. Und ich wählte nur aus den Bildern aus, die sie mir vor meine Nase hielten.

Mittlerweile verstehe ich Freiheit, als die Möglichkeit das, was mein Herz oder der heilige Geist zu mir sagt, zu tun. Also in mich rein zu horchen. Zu gehorchen. Der Endgegner heißt dann zwar oft: Furcht vor möglichen Konsequenzen. Doch ihn bezwinge ich mittlerweile immer schneller.

Dieser Kompass für Freiheit stellte sich nach meiner Initiation ein. Das Erste was nach meiner Initiation passierte war folgendes. Ich bekam meine Stimme zu hören, die mich zu einer ungeahnten Klarheit brachte. Ich zog nun klare Grenzen. Beruflich wie persönlich. Die Gewissheiten im Rücken: Ich werde geliebt, darf mir vergeben, darf loslassen und werde gehalten. Ich verließ meine alten Abgründe und fand schnell neue Kraft.

Ist Leid nun ein Vorbote eines freien Lebens? Oder in anderen Worten: Ist Schmerz der Beginn von Leben?

Wie bei einer Geburt von einem Baby. Die Frau muß dabei durch den Schmerz. Kein Weg führt daran vorbei. Ohne Schmerz und ohne Wunde kein neues Leben. Und als initierter Mann habe ich ein archaisches Verständniss hierfür entwickelt. Und ich bin fasziniert, wie dies zusammenkommt.

Leider isolieren wir in unserer Welt allzu oft uns und andere, wenn es zu Leid und Schmerz kommt. Dies habe ich in den Trauererfahrungen um meinen Vater ebenso erfahren müssen, wie an der schweren Erkrankung einer Freundin. Unsere Gesellschaft hat einen verstümmelten Umgang mit Leid, Krankheit und Tod. Es wird behandelt wie ein Plage. Für Beistand scheint es in unserer konsumorientierten Welt wenig Platz zu geben. Und wahre Gemeinschaft ist selten. Vielleicht weil wir uns nicht mit den Wunden der Anderen identifizieren wollen? Die Pandemie hat uns hier hoffentlich im kollektiven Erleben von Leid und Verzicht wieder etwas mitfühlender und mitmenschlicher gemacht. Ja davon bin ich überzeugt.

Und was für ein Segen, dass wir initiierten Männer unsere Wunden, unser Scheitern und unsere Unvollkommenheiten als Basis gemeinschaftlicher Begegnung und Stärkung erleben dürfen. Das ist der Weg in die Himmlische Rose! Ins Göttliche Licht! Und wie einmal so schön gesagt wurde: In das Paradies, das wir in der Existenz von Blumen, von Sternen und in den Augen der Kinder erahnen können.

Friede, Liebe und Licht an Euch
Felix Stumpf

Initiation, warum es sich lohnt

von Stefan Brombach

Ich werde nicht selten gefragt, was die Initiation denn nun ist und was davon im Nachgang zu erwarten ist. Erst kürzlich berichtete mir ein Mann der vor einiger Zeit durch die MROP ging, dass er jetzt erst das Gefühl habe, wirklich zu verstehen.
Und wie das so ist, gehe ich mit diesen Dingen die ich höre in die Stille nach Innen und bewege sie in mir. Manchmal Tage, manchmal Wochen, manchmal Monate später (und ich habe in manchen Dingen und Fragen schon Jahre gewartet) taucht dann ein Bild in mir auf. In diesen Momenten habe ich dann das Gefühl „Ja, genau so kann man es verstehen, sehen, beschreiben oder angehen.“

Ein solches Bild ist mir wieder mal gekommen.

Es ist noch nicht Äonen her, eher nur so um die 30 Jahre, da bin ich mit meinen Freunden mit dem Auto nach Italien an die Riviera gefahren. Damals gab noch keine Navis die einen an jeder Abbiegung informieren und Routen bei Bedarf einfach automatisch korrigieren. Damals ging man vor der eigentlichen Reise zu den „gelben Engeln“, dem ADAC, und fragte um eine Routenbeschreibung an. Daraufhin bekam man eine Art Mappe, in welcher sowohl Kartenmaterial mit eingezeichneter Route, als auch Infomaterial über Sehens­würdigkeiten entlang der Strecke und am Zielort zu finden war. Darunter Informationen über Klima, Kultur, Landeswährung, Umtauschkurse, Tankstellen etc.

Bevor wir losfuhren schauten wir meist nicht auf die Karte. Wir glaubten uns ja schon erwachsen, groß und fähig uns zumindest in Deutschland auszu­kennen. Doch im Gepäck waren wir mit dieser Reisemappe ausgestattet und machten uns auf den Weg nach Süden. Es war und blieb trotz Karte ein Abenteuer. Würden wir uns nicht doch verfahren, würde das Auto halten? Auf einer unserer Reisen tat es das nicht und wir steckten daraufhin 3 Tage in einem ausgestorbenen Nest namens Tortona fest.

Eine Tortur, doch dank unseres Kartenmaterials fanden wir eine Werkstatt. Und wenn wir auch von Samstag bis Montag in Hitze ausharren und auf eine Reparatur warten mussten, so war uns diese Mappe, dieses Kartenmaterial, immer wieder mal hilfreich. Und manchmal war es auch einfach gut zu schauen, wo wir uns gerade auf der Strecke befanden. Wie viel wir schon an Weg zurückgelegt hatten und wie viel an Weg noch vor uns lag.

Heute wage ich zu sagen, dass die MROP den Kartensatz für Deine Seelenreise vom Jungen zum Mann bereit stellt. Sie ist der begleitende „gelbe Engel“ der Dir dienen kann von dem Ort wo Du jetzt bist, hin zu Deinem wahren Selbst.

Jede Reise, welche kein Trip werden soll, beginnt ja bereits mit der Vorbereitung. Und die Initiation ist der Startpunkt Deiner ganz persönlichen Reise. Hier bereitest Du Dich vor, hier bekommst Du das Kartenmaterial und den Kompass für das vor Dir liegende Abenteuer Deines lebenslangen Weges als Mann in dieser Welt.

Dafür musst Du kein Clubmitglied werden! Um Dir Deinen Kartensatz zu holen, brauchst Du lediglich aufrichtige Neugier auf das, was da auf Deinem Weg liegt. Du brauchst ein offenes Herz, das bereit ist sich einzulassen und hinzufühlen. Und zu guter Letzt brauchst Du den Mut Deinen Willen für das zu öffnen, was sich (in) Dir zeigt.

Hol Dir JETZT Deinen Kartensatz! – Sei dabei in der MROP 2021 und melde Dich gleich an.

Antar Vimukto (Stefan) Brombach

Von einer Initiation beim Kentern mit einem Kajak…

von Walter Altmannsberger

Es ist Sommer, es ist heiß, ich bin träge. Es geht mir nicht gut. Alles ist zu viel. Ich will auf der faulen Haut liegen, am besten im Schatten, noch besser im Wasser. Ist da überhaupt Zeit und Energie, um mich mit Innerlichkeit und Selbstveränderung zu beschäftigen?

Ja, überraschenderweise ja. Und das hätte ich vor diesen Tagen und diesen Erfahrungen nicht gedacht.

Aber zunächst einmal zum Anfang. Der Name des Seminars, das an einem See stattfinden sollte, hörte sich erst einmal harmlos an: „Schwellenpaddeln“. Paddeln also, über Schwellen paddeln und auf seine Wahrnehmung achten. Auf sein Inneres. Sehr spannend. Und erst die Bilder auf der Website: Sehr einladend.

Der Verlauf orientiert sich am indigenen Medizinrad, den sogenannten „Vier Schilden“. Das kann man gut googeln, denn ich möchte nicht weiter darauf eingehen, außer, dass es ein ganzheitliches eben nicht lineares Entwicklungs- und Orientierungsmodell ist, das sich an den Himmelsrichtungen, den Jahreszeiten oder den Entwicklungszeiten des Menschen orientiert.

Ganz nach dem Motto des Sommers starten wir im Süden. Der steht für Körperlichkeit, Sinnlichkeit, Zugehörigkeit, Genuss oder biografisch für die Kindheit. Und ganz diesem Motto folgend werden wir nach einer kurzen Einführung aufs Wasser gelassen. Spielerisch erkundend, sich ausprobieren, in Kontakt kommen.

Den nächsten Tag können wir uns in der Weite einer längeren Tour ausprobieren. Wir paddeln(!) früh los, haben Zeit, über eine fiktive Schwelle eines Kanals zu gleiten, haben Zeit ,die Natur auf uns wirken zu lassen und uns in ihrem Spiegel zu betrachten. Dazu sitzen wir in einer Pause an Land im Council und erzählen und spiegeln uns unsere Eindrücke und Begegnungen. Aber noch immer sind wir im Süden, genießen bei einer Pause Eis und Kuchen und kommen erschöpft und erfüllt von all den Eindrücken im Camp wieder an.

Am nächsten Tag wird es dann innerlicher und ernster. Wir sind im Westen angelangt. Es gibt Fragen, mit denen wir allein in den Wald geschickt werden: Stimmt mein Kurs? Was behindert mich? Was muss ich vielleicht loslassen, um leichter diesem Kurs folgen zu können. Wir sollen das alles in kurze Sätze fassen.

Aber es bleibt nicht beim Nachdenken, Reden und Philosophieren.

Am Nachmittag machen wir uns auf den Weg … (ich will hier nicht zu viel verraten)… jetzt bekommen wir die Aufgabe, loszulassen, … und zu Kentern ! Das ist heftig. Keiner aus unserer Gruppe kennt diese Erfahrung. Es ist ein Sprung, bzw. eher ein Fall, ins Unbekannte. Wow. Was für eine Heraus-Forderung.

Mit einer großen Portion Unsicherheit steige ich in das Kajak und paddle auf den See….

Ja, es hat geklappt, es ist nichts passiert. Außer, dass mir dieser Moment eindringlich in Erinnerung bleiben wird. Dieser besondere Moment, in dem ich die Herausforderung annehme und mich dazu überwinde, meine Kontrolle loszulassen, mich selber aus dem Gleichgewicht bringe. Dieser Moment, diese Erfahrung hat sich tief eingeprägt. Alles frohe Gesichter um mich herum. Was für ein befreiendes Gefühl. Alle aus der Gruppe haben sich dieser Herausforderung, diesem Fall ins Unbekannte, gestellt und sie für sich bewältigt.

Für mich war das eine initiatorische Erfahrung:

Der Schritt in die Selbstverantwortung, in dem ich wieder und wieder etwas mehr loslasse, was mich an einem auch der Gemeinschaft dienenden Leben hindert. Kein leichter Schritt, ein Schritt, der mir etwas abfordert, bei dem es gilt, etwas Vertrautes loszulassen. Ein Fallen, das doch immer wieder belohnt wird.

Nein, Kentern ist keine reine Mutprobe, kein bungee jumping, auch wenn beides Mut erfordert (und Vertrauen). Diese Art von Mut steht für mich im Dienst einer Sache, weil sie die notwendige Bekräftigung einer Erkenntnis ist. Ein Preis für etwas Anderes, den ich bereit bin, zu bezahlen.

Um einer Sache willen, die ich „das größere Ganze“ nennen kann.

Es ging dann noch weiter im Medizinrad, über die Klärung und Konkretisierung meines Kurses im „Norden“ und der Unterstützung im „Osten“, auch hier will ich nicht mehr verraten. Was mich tief beeindruckt hat, ist vor allem die Erfahrung dieses „speziellen“ Kenterns.

Danke an Bettina und Jens von den „Naturkreisläufern“, danke an die Gruppe, dass ich diese Erfahrung machen durfte. Eine Erfahrung der Bekräftigung, die mich gestärkt hat und die mich weiter begleiten wird, gespeichert im Bild meines kenternden Kajaks… .

HO!

Walter, August 2020