Initiiert – und nun?

(M)ein steiniger Weg

Wenige Tage nach meiner Initiation im Juli wollte ich eine Art Erfahrungsbericht für diesen Blog schreiben. Das war die Idee. Im September habe ich dem Admin hier angekündigt, einen Blogbeitrag zu schreiben – wohl auch, um mir etwas Druck zu machen, endlich anzufangen. Jetzt im Februar – mehr als ein halbes Jahr nach der Initiation – sortiere ich zum x-ten Mal meine Gedanken und versuche sie in einen Text zu gießen. Vermutlich braucht es einfach Zeit, das Erlebte und meine Gefühle dazu, zu sortieren und in Worte fassen zu können. Außerdem brauche ich generell für viele Dinge (alle?) sehr, sehr, sehr… viiieeeel Zeit, gefühlte Ewigkeiten. Leider (?) Gottes habe ich diese Eigenschaft an meinen Sohn „vererbt“. Bei ihm treibt sie mich regelmäßig zur Weißglut (und wie…)

Vielleicht braucht es auch einfach nur diese Zeit, um meinen Stein zu finden. Später mehr dazu.

Was nun also? Ich bin initiiert. Und jetzt?

Kurz gesagt:

Ich habe absolut keine Ahnung. 🙂 Ich habe wahrscheinlich mehr Fragen als vorher – mit Sicherheit auch welche, die ich (mir) vorher (noch) nicht gestellt habe, und welche, die ich mich (früher) nicht getraut habe (mir) zu stellen.

Ich versuche mich mal an (m)einer Antwort auf die Frage „Und nun?“:

Die gemeinsamen Tage der Initiation unter vielen Männern haben mich sehr berührt und nachhaltig beeindruckt.

Begeistert von dieser Erfahrung wollte ich einen „Tschakka-Text“ für den Blog schreiben: „Yeah, ich war dabei. Jetzt wird alles anders. Ich habe gleichgesinnte Männer getroffen, kennen und schätzen gelernt. Ich bin nicht allein. Jetzt wissen wir wie es geht. Auf geht’s, los! Jetzt wird alles gut.

Ein paar Wochen später fühlte sich das alles schon anders an.

An das Erlebte konnte ich nicht mehr anknüpfen. Eine gewisse Enttäuschung und Traurigkeit machte sich in mir breit. Ich wollte die Eindrücke, Gefühle, Gespräche, unsere Gemeinschaft unter Männern… – alles – konservieren und festhalten.

Ich versuchte Kontakt zu anderen Männern, zu „meinen“ Männern aufzunehmen: per E-Mail, per Telefon, über ein Forum. Das war nicht dasselbe. Ich wollte meine Erinnerungen wach halten. Ich war doch so begeistert und berührt. Die wohligen Gefühle verblassten immer mehr.

Ungefähr in dieser Zeit kündigte ich dem Admin diesen Text an – wohl auch mit der Hoffnung, die Erfahrungen im Sommer wieder auffrischen, mich wieder mit dem Erlebten verbinden zu können, wieder zu fühlen. Irgendwann in dieser Zeit muss ich dann meinen Stein gefunden haben.

Er lag mitten in der Stadt am Straßenrand direkt vor meinen Füßen.

Sofort verband ich mit ihm etwas, das mir jemand während meiner Initiation schenkte. Das gefiel mir, ich steckte den Stein ein. Ich verband damit die Hoffnung, mich besser, öfter, einprägsamer an die bewegenden Tage im Sommer erinnern zu können. Jedes Mal, wenn ich ihn in die Hand nahm, wollte ich mich erneut berühren lassen, meinem Gedächtnis auf die Sprünge helfen, es anschubsen.

Ein Stein des Anstoßes?

Trotz dieser handfesten „Merkhilfe“ rannen mir die angenehmen Erinnerungen wie Sand durch die Finger. Ich wollte sie so gerne (im Herzen) bewahren und das gelang mir nicht. Irgendwie schien es nicht machbar, unmöglich zu sein, sie festzuhalten. Und dann kam der Herbst: immer kürzere Tage, trübe Tage, immer mehr Dunkelheit.

Ganz anders als sonst merkte ich in diesem Jahr – zu meinem Erstaunen – wie sich der Spätherbst auf mein Gemüt auswirkte. Mit der sich ausbreitenden Dunkelheit wurde meine Stimmung von Tag zu Tag düsterer. Ich schlief schlecht, machte mir viele Gedanken, alles war eingetrübt. Mit den immer kürzeren Zeiten von (Tages-)Licht, wurde ich melancholischer, immer mehr Trübsal und Schwermut machten sich breit. Meine Lebensenergie und -freude vom Sommer schwand und schwand.

Das war hart – für mich und für mein direktes Umfeld. Sehr hart. Auf eine gewisse Art und Weise war ich erstarrt – zu Stein geworden.

Hart wie mein Stein?

Diese Phase ist nach wie vor noch nicht komplett vorüber. Aber inzwischen habe ich das Gefühl wieder, Boden unter die Füße zu bekommen. Das fühlt sich gut an und macht mich zuversichtlich. Die Wintersonnenwende ist – zum Glück – passé. Die Tage werden wieder länger. Es wird immer heller. Licht.

Danach sehne ich mich. Nach Licht, nach Sonne, nach Wärme.

Nach Erwachen, nach Wachsen, nach Gemeinschaft, nach Austausch, nach Tiefe, nach Berührung…

Irgendwie so wie ich mich im Sommer mit „meinen“ Männern bei der Initiation fühlte.

Seit dem Spätsommer begleitet mich mein Stein auf Schritt und Tritt – jederzeit griffbereit in meiner linken Hosentasche. Auf jedem Weg ist er dabei. Mein Stein gibt mir Halt, Festigkeit, Standhaftigkeit – eine gute Basis, um mit mir in Kontakt zu sein, mit mir in Verbindung zu gehen, wenn ich ihn in die Hand nehme. Und mein Stein ist eine wunderbare „Merkhilfe“, mit dir, lieber Bruder, gemeinsam auf dem (Pilger-)Weg und verbunden zu sein.

Nachwort

Vor einigen Tagen habe ich meinen Stein verloren.

Ich vermute, dass er mir aus der Hosentasche gerutscht ist, als ich meinen Schlüssel herausgeholt habe. Ich hatte mich auf eine Bank in die Sonne gesetzt und wollte die Wärme genießen. Einen Tag später fiel mir auf, dass mein Stein weg ist. Wo konnte er nur sein? Ich war traurig. Kann ich ihn wiederfinden? Wo soll ich ihn suchen?

Ich habe mich entschieden ihn nicht zu suchen. Von meinem Stein habe ich mich verabschiedet. Vielleicht soll es so sein.

Ich interpretiere es so: ich brauche meine Merkhilfe nicht mehr. Nun „schleppe“ ich ein Ding weniger mit mir herum, eine „Last“ ist „abgefallen“. Vielleicht ist es eine Übung loszulassen, nicht an Dingen festzuhalten. Vielleicht ist es ein Hinweis, die Idee an sich von dem „Ding“ zu unterscheiden. Der Stein steht nur für die Erinnerung an die Initiation, an die Gemeinschaft, den Kontakt und die Verbindung, der Stein ist nur ein Symbol. Gemeinschaft, Kontakt und Verbundenheit finde ich nicht im oder mit dem Stein. Ich glaube viel mehr der Verlust soll mir sagen: Trau dich, lass los. Du kannst auch so mit dir, mit Männern, mit der Schöpfung in Kontakt gehen, dich verbinden und eins werden.

P. S. Während der Initiation war ich ich mit „meinen“ Männern in der Gruppe „Petrus“ – der Fels, das Fundament. Vielleicht ist mein Stein ein kleiner Fels, eine Basis, auf der ich etwas (auf-)bauen kann. Sicher keine Kirche ;-), aber vielleicht mehr Verbundenheit mit mir und der Welt.

P. P. S. Vielleicht hat auch meine erste Teilnahme an der Ratsversammlung Anfang diesen Jahres dazu beigetragen, leichter in Kontakt mit mir und den anderen Männern zu kommen. Aber nur vielleicht. 😉

Männer, ich spüre die Verbundenheit. Danke!

L. P.

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