Wildnis in Deutschland

Wie weit Deutschland beim naturbelassenen Wald von seinen eigenen Zielen entfernt ist und bleibt, wird in dem folgenden Beitrag deutlich:
Die EU fordert eigentlich 10 % der Gesamtfläche des Landes als Wildnis auzuweisen.
Wildnis meint dabei einen zusammenhängenden Bereich von >1.000 ha (= 10 km²). Deutschland ist da etwas „bescheidener“ und hat sich 2 % zum Ziel gemacht, das bis 2020 erreicht werden sollte. Erreicht hat Deutschland 0,6 %.

Bericht vom ZDF vom 23.02.2021

Wie im Großen so im Kleinen:
Heute in meiner Tageszeitung: Marienkäfer sind bedroht, weil die Kleingärten zu aufgeräumt sind.Marienkäfer benötigen Totholz- oder Laubhaufen zum Überwintern. In unseren aufgeräumten Gärten lassen wir aber die „Wildnis“ im kleinen Maßstab auch nicht zu. Dabei wäre es keine Problem, die Laubhaufen im Herbst anzulegen und bis zum Frühjahr liegen zu lassen oder überhaupt eine „wilde Ecke“ einzurichten mit Totholz oder einen Steinhaufen und es gibt bestimmt noch viele andere Möglichkeiten.

Wie viel „Wildnis“ lasse ich in meinem Leben zu? Hoffentlich mehr als 0,6 oder 2,0 % – und das nicht nur, um besser dazustehn als Deutschland. „Wildnis“ ist ein Teil unseres ursprünglichen Lebens, von dem wir abgeschnitten wurden und es ist an uns selber, diese Verbindung wieder herzustellen.

Die Perle der Hoffnung durch Handeln finden

diesen letzten Absatz im Buch „Hoffnung durch Handeln“ von Joanna Macy & Chris Johnstone (S.212) gebe ich hier komplett wieder:

„Als Boris Cyrulnik zehn Jahre alt war, musste er sich verstecken. Er lebte Damals in Frankreich, das von den Deutschen besetzt war, und musste unsichtbar werden und bleiben, wenn er sein Leben retten wollte. Andere Mitglieder seiner Familie wurden wegen ihrer jüdischen Abstammung nach Auschwitz deportiert und getötet. Diese traumatische Erfahrung warf für Boris die bleibende Frage auf, was uns zu Stärke verhelfen und unsere Resilenz vertiefen kann.

Er arbeitete dann mit missbrauchten Kindern, Kindersoldaten in Kolumbien und Überlebenden des Völkermordes in Ruanda und wurde zu einem der führenden Psychologen der Welt für die Heilung traumatisierter Kinder. In seinem Buch Resilence schreibt er:

Die Perle der Auster könnte das Sinnbild der Resilenz sein. Wenn ein Sandkorn in eine Auster eindringt und sie so quält, dass sie zu ihrer Verteidigung eine perlmuttene Substanz absondern muss, erzeugt die Abwehrreaktion ein Material, dass hart, glänzend und kostbar ist.¹

Wir leben in einer Zeit, in der der lebendige Leib der Erde angegriffen wird, und der Angreifer ist nicht eine außerirdische Macht, sondern unsere eigene industrielle Wachstumsgesellschaft. Gleichzeitig ist ein außergewöhnlicher Selbstheilungsprozess im Gange, eine vitale und kreative Reaktion, die wir als Großen Wandel bezeichnen. Was uns hilft, uns dem Chaos zu stellen, in dem wir stecken, ist das Wissen, dass jeder von uns etwas Bedeutsames anzubieten hat und seinen Beitrag leisten kann. Wenn wir all unsere Kräfte aufbieten, um uns der Herausforderung gewachsen zu zeigen, entdecken wir etwas Kostbares, was sowohl unser Leben bereichert als auch die Selbstheilungskräfte der Erde unterstützt. Eine Auster bildet als Reaktion auf ein Trauma eine Perle. Die Perle, die wir der Welt schenken, ist unsere Hoffnung, die in unserem Handeln Ausdruck findet.“

¹ Boris Cyrulnik, Resilence: How Your Inner Strength Can Get You Free from the Past, New York, Penguin, 2009, S. 286

Schwellenraum – Zeit des Übergangs

Es gibt Schwellen­raum­zeiten im Leben: der Eintritt in die Schule, der Übergang vom Kind zum Jugendlichen, vom Jugendlichen zum Erwachsenen, den Eintritt in eine Arbeit…

Ich befinde mich in einem Schwellenraum – den Übergang von der Arbeit in die Zeit nach der Arbeit. Da heißt es Abschied nehmen: von den Kolleginnen und Kollegen und von vielen anderen Menschen, mit denen ich in den letzten Jahren beruflich und manchmal auch darüber hinaus zu tun hatte. Ich habe dies mit einem Fest gefeiert, einem „sich gegenseitig Danke sagen“ – Fest. Das war gut und wichtig für mich, diesen Übergang auch zu feiern. Etwas geht zu Ende und etwas beginnt.

Von dem was beginnt habe ich nur eine vage Vorstellung. Es ist wie ein Tasten im Nebel, ein Ausprobieren, bestätigen, verwerfen alter und neuer Gewohnheiten. Es ist eine Zeit mit sehr viel Gestaltungsspielraum. Ich kann an Arbeiten auch mal länger dran bleiben, ich kann Freunde besuchen oder meine Enkel, im Garten werkeln, in die Natur gehen, Musik machen, meiner Intuition folgen.

Beziehungen verändern sich – der Kontakt zu den – jetzt ehemaligen – Arbeitskollegen wird weniger und mir ist klar, dass ich selbst jetzt viel mehr für neue Begegnungen verantwortlich bin. An dieser Stelle trifft sich nun mein persönlicher Schwellenraum mit einem kollektiven Schwellenraum:

Die Welt befindet sich in einem Schwellenraum – es wird kein Zurück zu einem Zustand, wie er gewesen ist, geben. Der Schwellenraum lässt sich nicht mit einer „freiwilligen“ Massenimpfung auflösen. Aber genau das scheint mir der Plan aller sichtbaren Anstrengungen zu sein: Mit einem Impfstoff zurück zu dem, was vorher war. Ich befürchte, dass dieser Plan nicht aufgeht. Weil ein paar grundlegende Wahrheiten einfach nicht akzeptiert werden wollen. Wir kennen sie als die harten Wahrheiten aus der Initiation:

Das Leben ist hart.

Du wirst sterben.

Du hast nicht die Kontrolle

Du bist nicht wichtig.

Dein Leben dreht sich nicht um dich.

Ja – es gibt eine Fortführung dieser harten Wahrheiten – aber erst nach der Schwellenzeit. In der Schwellenzeit muss ich mich den harten Wahrheiten stellen und sie fordern mich total heraus.

So ist eigentlich auch die Gesellschaft herausgefordert – und sie ist nichts von mir Getrenntes, ich bin ein Teil von ihr. Als Gesellschaft wollen wir diese Wahrheiten nicht akzeptieren – also akzeptieren wir alles, was ein Zurück aus dem Schwellenraum scheinbar möglich macht. Das wird sich als Irrtum heraus stellen. Wir müssen uns den harten Wahrheiten stellen.

Was die Natur für mich vermag

Jetzt bin ich seit dem 20.09.2020 wieder zu Hause vom FIRMing.

Ich bin schon lange in der Natur und die letzten Jahre gerne mit meinem Hund unterwegs.

Diese Naturzeiten sind Zeiten der Ruhe, Zeiten besonderer Wahrnehmungen, Zeiten nur für mich. Eine Art von Meditation.

Aber heute war etwas anders. Früher war da der Wald, da der Hund, da die Natur und irgendwo auch ich. Aber alles war getrennt voneinander vorhanden. So war mein bisheriges Naturempfinden. Heute war alles eins. Ich kann es mit Worten gar nicht beschreiben.

Es war eine wunderbare Verbundenheit mit allem da. Es regnete stark und ich fühlte eine große Ruhe in mir, ich fühlte mich leicht und frei, frei von Schmerzen, Druck und Gedanken. Einfach verbunden mit jedem Baum, Busch, Gras, Pilz, Blatt, Vogel, Wurm und was da sonst noch existiert.

Aber vor allem verbunden mit mir.

Eine unglaubliche Stille und ein starker Frieden in mir und um mich herum.

Diese Stille kenne ich, darf ich sagen, seit meiner Nacht alleine im Thüringer Wald während des FIRMing.

Damals trat sie ein, die Stille und der Frieden, als ich meine Ängste aufgab und mich ergab in das was war.

Ich bin sehr dankbar für dieses, wenn auch kurze Gefühl des Friedens und der Ruhe und der Verbundenheit mit Allem. Es ist aber eine Sicherheit in mir, die mir deutlich macht, dass ich dieses Gefühl ab jetzt immer wieder mal erfahren darf.

Ich freue mich auf meine nächsten Zeiten in der Natur.

Heinz Peters