Werden, der du wirklich bist

Vom 11. bis 15. August 2021 findet in der Nähe von Fulda die Männerinitiation nach Richard Rohr statt.
ich habe meine Initiation 2009 erlebt – im Kreis von 120 Männern. Das hat mein Leben nicht komplett verändert – bei mir war es eher eine „Initialzündung“, ich habe mich auf dem Weg gemacht um herauszufinden, was meine einzigartige Aufgabe hier auf dieser Welt ist. Der Punkt ist nicht, diese Aufgabe zu finden und zu sagen: Ja, das ist es. Das Wichtige für mich war das Unterwegssein, neue Dinge zu lernen, viele verschiedene Menschen kennen zu lernen und vielleicht ein paar „alte Sachen“ hinter mir zu lassen, mich von Ggenständen zu trennen, die mir nicht mehr gut tun. Ich habe seitdem viel in Kreisen gesessen und wir haben unsere Geschichten erzählt und den Geschichten der anderen gelauscht. Oft waren es Männerkreise und manchmal auch Kreise von Frauen und Männern. Ich habe gelernt, den anderen aus dem Herzen zuzuhören und selber auch aus dem Herzen zu sprechen. Es war fröhlich in der Runde, wir haben herzhaft gelacht und auch miteinander gelitten und Tränen geweint. Bei Wildniswissen habe ich „die große Danksagung“ kennen und schätzen gelernt, sie kann dem Treffen wirklich eine Richtung geben.
Für die Männerinitiation sind noch Plätze frei. Wenn du dich gerufen fühlst oder einem anderen Mann das unbedingt empfehlen möchtest – tu es jetzt. Es gibt einen Anmeldeschluss, das hat organisatorische Gründe – schick uns einfach eine Mail, wir werden sehen, was sich noch machen lässt.
Alle Infos findest du hier.

Männerpfade auf dem Wasser

Wir, Jochen, Thomas und Uwe sind in der letzten Woche in der Südsee unterwegs gewesen, in der Dänischen Südsee genau gesagt, und das Wetter war tatsächlich tropisch, warm und mit wenig Wind.

Du hast nicht die Kontrolle – eine Wahrheit der Initiation hat uns dort eingeholt: Nach Wetterbericht und vorhergesagter Windrichtung wollten wir segeln, aber der Wind machte nicht mit. Stattdessen bekamen wir ein Gefühl für unglaubliche Langsamkeit, die mit einem Bad mitten in der spiegelglatten kalten See aufgelockert wurde. Unser Motor hat uns schließlich aus der Ruhe gerissen und uns doch noch an wundervolle neue Orte gebracht.

Die Elemente Wasser und Wind, in unserem Alltag wenig präsent, haben die Woche bestimmt. Am letzten Tag wurde dann der Wind für die ganze Woche nachgereicht. Beeindruckend, wie viele verschiedene Farben das Wasser annehmen kann – und wie schräg ein Boot stehen kann ohne umzukippen. Du kannst Vertrauen. Auch eine Botschaft, die erinnert wurde.

Gemeinschaft initiierter Männer: Diese Verbindung schafft Zuversicht: wir werden miteinander klar kommen. Und mehr als das: intensive, tiefgründige Gespräche, in denen wir Neues voneinander erfahren.

Zogen einst fünf wilde Schwäne.. tapfer versuchten wir dieses Lied immer wieder zu erinnern, am Morgen des letzten Segeltages flogen sie dann tatsächlich vorbei: Fünf wilde Schwäne, leuchtend weiß und wunderschön – und dann hatten wir auch das Lied zusammen.

Schale der Liebe


Wenn du vernünftig bist, erweise dich als Schale, nicht als Kanal – , der Kanal empfängt und gibt fast gleichzeitig weiter, während die Schale wartet, bis sie gefüllt ist.
Auf diese Weise gibt sie das, was bei ihr überfließt, ohne eigenen Schaden weiter.

Lerne auch du, nur aus der Fülle auszugießen, und habe nicht den Wunsch, freigiebiger als Gott zu sein. Die Schale ahmt die Quelle nach.
Erst wenn sie mit Wasser gesättigt ist, strömt sie zum Fluss, wird sie zur See.

Du tue das Gleiche! Zuerst anfüllen und dann ausgießen. Die gütige und kluge Liebe ist gewohnt überzuströmen, nicht auszuströmen…
Ich möchte nicht reich werden, wenn du dabei leer wirst. Wenn du nämlich mit dir selber schlecht umgehst, wem bist du dann gut?
Wenn du kannst, hilf mir aus deiner Fülle; wenn nicht, schone dich.

Bernhard von Clairvaux

„Nichts zu danken“?

Ich erlebe es oft, wenn ich mich bei einem Menschen für etwas bedanke:
„keine Ursache“ sagt der Mensch – und das ist so eine seltsame Redewendung.
Eine Redewendung, die nicht stimmt, denn es gab eine Ursache für meinen Dank.
Selbst wenn ich sage: „danke, dass du da bist“ gibt es einen Grund, eine Ursache für meinen Dank.

Am vergangenen Sonntag wurde der Muttertag gefeiert. Ich hatte am Morgen – ich war ohnehin am Schreiben – die Idee, einen Dank an meine Mutter aufzuschreiben. Und das wurde dann eine richtig gute Geschichte. In der letzten Zeit hatte ich mich auch sehr damit beschäftigt, was in meiner Kindheit nicht so gut gelaufen war und da war viel Kritik an meiner Mutter dabei. Aber an dem Morgen ging es um einen Dank ohne Einschränkung. Das hat mich verändert. Plötzlich stand nicht mehr die Kritik im Vordergrund sondern der Dank.

Heute nun, zu Himmelfahrt, dieser Tag wird auch als Männer- und Vatertag gefeiert: heute war der Dank an meinen Vater „dran“. Das war etwas schwieriger, aber ich habe dennoch viele Dinge gefunden, wofür ich meinem Vater dankbar bin. Und auch hier steht der Dank jetzt vor der Kritik.

Im vergangenen Jahr habe ich mein Berufsleben beendet und zu diesem Anlass gab es ein Fest und zu diesem Fest wollte ich den verschiedensten Menschen danken: meiner Familie, meinen Arbeitskollegen, den „Auftraggebern“, den Architekten und Ingenieuren und den Handwerkern und Restauratoren. Und ich hatte es mir so gedacht, dass ich die jeweilige Gruppe nenne, die Menschen sich vorstellen und ich ihnen dann meinen persönlichen Dank ausspreche. Soweit die Idee – nur: es kam ein klein wenig anders. Eigentlich sollten die vielen Menschen in ihrer Einzigartigkeit bei mir im Mittelpunkt stehen und plötzlich war ich es, der im Mittelpunkt stand: jede(r) aus der Runde dankte mir für etwas Besonderes in der Zusammenarbeit in den vielen Jahren. Der Dank am Anfang gab dem Fest eine besondere Richtung – und es wurde ein sehr fröhliches Fest.

Und ich will noch ein anderes Beispiel erzählen – wo es eben nicht so war. Eine Gruppe von 5 Männern, wir hatten gemeinsam ein Projekt „gestemmt“ und jetzt ging es darum, mit einem Blick aus dem Abstand noch mal drauf zu schauen. Und es wurde viel kritisiert und Verbesserungsvorschläge gemacht. Am Ende blieb ein etwas schales Gefühl: das Projekt war nicht gewürdigt worden.

Fällt es uns Männern schwer, Danke zu sagen?

Wildnis in Deutschland

Wie weit Deutschland beim naturbelassenen Wald von seinen eigenen Zielen entfernt ist und bleibt, wird in dem folgenden Beitrag deutlich:
Die EU fordert eigentlich 10 % der Gesamtfläche des Landes als Wildnis auzuweisen.
Wildnis meint dabei einen zusammenhängenden Bereich von >1.000 ha (= 10 km²). Deutschland ist da etwas „bescheidener“ und hat sich 2 % zum Ziel gemacht, das bis 2020 erreicht werden sollte. Erreicht hat Deutschland 0,6 %.

Bericht vom ZDF vom 23.02.2021

Wie im Großen so im Kleinen:
Heute in meiner Tageszeitung: Marienkäfer sind bedroht, weil die Kleingärten zu aufgeräumt sind.Marienkäfer benötigen Totholz- oder Laubhaufen zum Überwintern. In unseren aufgeräumten Gärten lassen wir aber die „Wildnis“ im kleinen Maßstab auch nicht zu. Dabei wäre es keine Problem, die Laubhaufen im Herbst anzulegen und bis zum Frühjahr liegen zu lassen oder überhaupt eine „wilde Ecke“ einzurichten mit Totholz oder einen Steinhaufen und es gibt bestimmt noch viele andere Möglichkeiten.

Wie viel „Wildnis“ lasse ich in meinem Leben zu? Hoffentlich mehr als 0,6 oder 2,0 % – und das nicht nur, um besser dazustehn als Deutschland. „Wildnis“ ist ein Teil unseres ursprünglichen Lebens, von dem wir abgeschnitten wurden und es ist an uns selber, diese Verbindung wieder herzustellen.

Die Perle der Hoffnung durch Handeln finden

diesen letzten Absatz im Buch „Hoffnung durch Handeln“ von Joanna Macy & Chris Johnstone (S.212) gebe ich hier komplett wieder:

„Als Boris Cyrulnik zehn Jahre alt war, musste er sich verstecken. Er lebte Damals in Frankreich, das von den Deutschen besetzt war, und musste unsichtbar werden und bleiben, wenn er sein Leben retten wollte. Andere Mitglieder seiner Familie wurden wegen ihrer jüdischen Abstammung nach Auschwitz deportiert und getötet. Diese traumatische Erfahrung warf für Boris die bleibende Frage auf, was uns zu Stärke verhelfen und unsere Resilenz vertiefen kann.

Er arbeitete dann mit missbrauchten Kindern, Kindersoldaten in Kolumbien und Überlebenden des Völkermordes in Ruanda und wurde zu einem der führenden Psychologen der Welt für die Heilung traumatisierter Kinder. In seinem Buch Resilence schreibt er:

Die Perle der Auster könnte das Sinnbild der Resilenz sein. Wenn ein Sandkorn in eine Auster eindringt und sie so quält, dass sie zu ihrer Verteidigung eine perlmuttene Substanz absondern muss, erzeugt die Abwehrreaktion ein Material, dass hart, glänzend und kostbar ist.¹

Wir leben in einer Zeit, in der der lebendige Leib der Erde angegriffen wird, und der Angreifer ist nicht eine außerirdische Macht, sondern unsere eigene industrielle Wachstumsgesellschaft. Gleichzeitig ist ein außergewöhnlicher Selbstheilungsprozess im Gange, eine vitale und kreative Reaktion, die wir als Großen Wandel bezeichnen. Was uns hilft, uns dem Chaos zu stellen, in dem wir stecken, ist das Wissen, dass jeder von uns etwas Bedeutsames anzubieten hat und seinen Beitrag leisten kann. Wenn wir all unsere Kräfte aufbieten, um uns der Herausforderung gewachsen zu zeigen, entdecken wir etwas Kostbares, was sowohl unser Leben bereichert als auch die Selbstheilungskräfte der Erde unterstützt. Eine Auster bildet als Reaktion auf ein Trauma eine Perle. Die Perle, die wir der Welt schenken, ist unsere Hoffnung, die in unserem Handeln Ausdruck findet.“

¹ Boris Cyrulnik, Resilence: How Your Inner Strength Can Get You Free from the Past, New York, Penguin, 2009, S. 286

Schwellenraum – Zeit des Übergangs

Es gibt Schwellen­raum­zeiten im Leben: der Eintritt in die Schule, der Übergang vom Kind zum Jugendlichen, vom Jugendlichen zum Erwachsenen, den Eintritt in eine Arbeit…

Ich befinde mich in einem Schwellenraum – den Übergang von der Arbeit in die Zeit nach der Arbeit. Da heißt es Abschied nehmen: von den Kolleginnen und Kollegen und von vielen anderen Menschen, mit denen ich in den letzten Jahren beruflich und manchmal auch darüber hinaus zu tun hatte. Ich habe dies mit einem Fest gefeiert, einem „sich gegenseitig Danke sagen“ – Fest. Das war gut und wichtig für mich, diesen Übergang auch zu feiern. Etwas geht zu Ende und etwas beginnt.

Von dem was beginnt habe ich nur eine vage Vorstellung. Es ist wie ein Tasten im Nebel, ein Ausprobieren, bestätigen, verwerfen alter und neuer Gewohnheiten. Es ist eine Zeit mit sehr viel Gestaltungsspielraum. Ich kann an Arbeiten auch mal länger dran bleiben, ich kann Freunde besuchen oder meine Enkel, im Garten werkeln, in die Natur gehen, Musik machen, meiner Intuition folgen.

Beziehungen verändern sich – der Kontakt zu den – jetzt ehemaligen – Arbeitskollegen wird weniger und mir ist klar, dass ich selbst jetzt viel mehr für neue Begegnungen verantwortlich bin. An dieser Stelle trifft sich nun mein persönlicher Schwellenraum mit einem kollektiven Schwellenraum:

Die Welt befindet sich in einem Schwellenraum – es wird kein Zurück zu einem Zustand, wie er gewesen ist, geben. Der Schwellenraum lässt sich nicht mit einer „freiwilligen“ Massenimpfung auflösen. Aber genau das scheint mir der Plan aller sichtbaren Anstrengungen zu sein: Mit einem Impfstoff zurück zu dem, was vorher war. Ich befürchte, dass dieser Plan nicht aufgeht. Weil ein paar grundlegende Wahrheiten einfach nicht akzeptiert werden wollen. Wir kennen sie als die harten Wahrheiten aus der Initiation:

Das Leben ist hart.

Du wirst sterben.

Du hast nicht die Kontrolle

Du bist nicht wichtig.

Dein Leben dreht sich nicht um dich.

Ja – es gibt eine Fortführung dieser harten Wahrheiten – aber erst nach der Schwellenzeit. In der Schwellenzeit muss ich mich den harten Wahrheiten stellen und sie fordern mich total heraus.

So ist eigentlich auch die Gesellschaft herausgefordert – und sie ist nichts von mir Getrenntes, ich bin ein Teil von ihr. Als Gesellschaft wollen wir diese Wahrheiten nicht akzeptieren – also akzeptieren wir alles, was ein Zurück aus dem Schwellenraum scheinbar möglich macht. Das wird sich als Irrtum heraus stellen. Wir müssen uns den harten Wahrheiten stellen.

Was die Natur für mich vermag

Jetzt bin ich seit dem 20.09.2020 wieder zu Hause vom FIRMing.

Ich bin schon lange in der Natur und die letzten Jahre gerne mit meinem Hund unterwegs.

Diese Naturzeiten sind Zeiten der Ruhe, Zeiten besonderer Wahrnehmungen, Zeiten nur für mich. Eine Art von Meditation.

Aber heute war etwas anders. Früher war da der Wald, da der Hund, da die Natur und irgendwo auch ich. Aber alles war getrennt voneinander vorhanden. So war mein bisheriges Naturempfinden. Heute war alles eins. Ich kann es mit Worten gar nicht beschreiben.

Es war eine wunderbare Verbundenheit mit allem da. Es regnete stark und ich fühlte eine große Ruhe in mir, ich fühlte mich leicht und frei, frei von Schmerzen, Druck und Gedanken. Einfach verbunden mit jedem Baum, Busch, Gras, Pilz, Blatt, Vogel, Wurm und was da sonst noch existiert.

Aber vor allem verbunden mit mir.

Eine unglaubliche Stille und ein starker Frieden in mir und um mich herum.

Diese Stille kenne ich, darf ich sagen, seit meiner Nacht alleine im Thüringer Wald während des FIRMing.

Damals trat sie ein, die Stille und der Frieden, als ich meine Ängste aufgab und mich ergab in das was war.

Ich bin sehr dankbar für dieses, wenn auch kurze Gefühl des Friedens und der Ruhe und der Verbundenheit mit Allem. Es ist aber eine Sicherheit in mir, die mir deutlich macht, dass ich dieses Gefühl ab jetzt immer wieder mal erfahren darf.

Ich freue mich auf meine nächsten Zeiten in der Natur.

Heinz Peters