Franziskanische Wanderung

„Franziskanisch Wandern“ heißt Reduzierung auf das Einfache, Verzicht auf Annehmlichkeiten, ein bewusst herbeigeführtes angewiesen Sein auf Andere und ihre Hilfsbereitschaft und Unterstützung. Wer ohne Zelt oder Tarp wandert und keine Unterkunft organisiert hat und kein Geld für Übernachtung einplant hat, ist auf das Wohlwollen vom Menschen angewiesen, die bereit sind spontan sieben fremde Männer für eine Nacht unentgeltlich unterzubringen.

Tatsächlich hat es funktioniert! Die Angesprochenen haben sich unseres Problems angenommen, haben nach einer Lösung gesucht und uns an Ansprechpartner im Dorf vermittelt. Unsere Freude und Dankbarkeit war groß, als wir in einer Alten Schule, einem Kolpingheim und einem Sportheim unterkamen und dort nicht nur die Toiletten sondern auch die Küche benutzen durften. Durch die Offenheit und das Vertrauen entstand Verbundenheit und Brüderlichkeit, mit den Gastgebern und auch innerhalb der Gruppe. Das Gefühl, getragen zu sein, ist für mich tröstlich und tief berührend. Ich fühle mich verbunden mit den Menschen, denen ich begegnet bin, mit der Natur und mit mir selbst. Ich wurde reich beschenkt.
Danke!

Heinrich

Wieder fühle ich mich in diesen Tagen ganz besonders mit der Welt und dem Leben verbunden; und das auf allen Ebenen:
ICH – einige Routinen und manchen Luxus muss ich loslassen und stattdessen die Ungewissheit gelassen und heiter annehmen.
DIE GRUPPE – beinahe rund um die Uhr sind wir zusammen. In einigen Momenten ist das auch ein Aushalten, aber sehr viel öfter ein Staunen. Jeder bringt seine eigenen besonderen Fähigkeiten ein, sodass wir total bereichert und für alles gewappnet unterwegs sind.
DAS GROSSE GANZE – tagsüber beherbergt, beschenkt, besonnt und auch beregnet uns die Schöpfung und abends dürfen wir Vertrauen, Hilfsbereitschaft und Dorfgemeinschaft bei der Quartierssuche erleben. Schon 16-mal habe ich in unterschiedlichen Gruppenkonstellationen eine franziskanische Wanderung unternommen – so viel Tiefe und Gleichklang wie dieses Mal mit uns initiierten Männern habe ich dabei noch nie gespürt.

Daniel

Gehen zusammen und einzeln, Schritt für Schritt, zunehmend geerdet, im Hier und Jetzt, in Kontakt. Wir Sieben einigen uns erstaunlich schnell: Wohin soll es heute gehen? Wie wollen wir einen Schlafplatz finden? Wie wollen wir dafür sorgen, dass alle gut genährt sind? … Ich bin überrascht, wie gut das geht, obwohl ich vorher nur einen von allen kannte, bin überrascht, wie viel Hilfe wir in den Dörfern erfahren, lerne anzunehmen, was mir geschenkt wird, freue mich über die Impulse der anderen Männer. Wir unterstützen uns.
Ich nehme viel mit nach Hause.

Uli

Gestartet sind wir als sieben einzelne Männer.
Unterwegs hat uns Mutter Erde reichlich mit ihren Gaben erfreut (Pilze, Brombeeren, Äpfel, Birnen, Pflaumen und Mirabellen).
Das Sauerland hat uns mit abwechslungsreichen Wanderwegen und traumhaften Aussichten verwöhnt.
Die Sauerländer haben uns mit offenen Herzen empfangen und als Dorfgemeinschaft selbstlos Übernachtungen für uns organisiert.
Wir Männer haben mit unterschiedlichen Impulsen unsere eigene Spiritualität für die anderen erlebbar gemacht.
Angekommen sind wir als vertraute Gruppe und voller Dankbarkeit.

Wolfram

In einer Ecke war ich, zusammengekauert. Nun, geht es raus, in den Zug, in den Bus, in den Wald, mit dem Rucksack, auf die Beine. Sie tragen mich, meine Füße. Ich werde getragen von der Gruppe. Ich falle, aber ich falle nicht, also schwebe ich, ich schwebe nicht, die Erde trägt mich. Die Gruppe, ein Chaos, das sich sortiert und findet. Geschichten, die sich öffnen, mir öffnen, und mich öffnen. Vertrauen.Gemeinschaft, Landleben, ich habe Urvertrauen in unsere gemeinsame Fähigkeit,dass wir gemeinsam etwas finden. Endlich!

P.

So ganz versteht man den Segen erst am Ende. Zwischendurch war es auch richtig anstrengend soweit mit dem Rucksack zu laufen. Gar nicht anstrengend, nur manchmal etwas spannend war es, mit den Männern unterwegs zu sein, den Weg zu finden und schließlich eine Übernachtung geschenkt zu bekommen.
Am Ziel angekommen, zurück schauend: Was für ein Geschenk: Mit Männern unterwegs zu sein, spirituelle Erfahrung und Sehnsucht teilen, in der Natur zu gehen und zu verweilen. Sehen wie die Jungen (drei Männer der Jungmännerinitiation 2022) und die Alten zusammen gehören – wie wunderbar. Mit jedem ein Stück Weg gegangen, eine Prise Leben geteilt.
Danke Euch allen!

Hartmut

Männer und Natur

Wenn ich gefragt werde, was mir in meinem Leben wichtig ist, fallen mir viele Dinge ein: meine Kinder und Enkel, ein schönes Zuhause, eine erfüllende Freizeit, Musik und Zeiten in der Natur. Ja, es gibt noch eine Menge anderer Dinge wie gute Lebensmittel, Teil einer Gemeinschaft sein, neuerdings vielleicht noch eine gute Internetverbindung oder Handyempfang.

Was würde ich auf die Frage antworten, auf welche Dinge ich am ehesten verzichten könnte? Da fallen mir materielle Dinge ein, die ich (noch) habe – aber es würde auch ohne sie gehen.

Was mag ich besonders? Mit Menschen in einer temporären Gemeinschaft in der Natur zu sein. Zwei solche Geschichten fallen mir ein:

Bei der RausZeit trifft sich eine Gruppe von Männern in der Nähe von Eisenach bei einer Forsthütte und verbringt die Zeit von Freitag Nachmittag bis Sonntag Mittag gemeinsam in der freien Natur. Das Team kümmert sich um „den Rahmen“ und die Teilnehmer erfahren allein in der Natur und in den Redestabrunden aber auch beim Essen und ums Feuer Gemeinschaft. Gemeinschaft und Verbundenheit mit Männern, die sie vorher nicht kannten und auch Gemeinschaft mit der nichtmenschlichen Welt. Also allem, was ihnen auf ihren Gängen allein in die Natur begegnet. Und das kann schon auch eine unerwartete Begegnung mit einem Wildschwein sein.

Männerpfade bietet vom 22. bis 24. September solch eine RausZeit an. Alle weiteren Details findest du hier.

Bei der Nacht des Feuers treffen sich die Väter von 13 – bis 16 – jährigen Jungen gemeinsam mit ihren Söhnen zu einem besonderen Wochenende. Für die Jungen geht es darum, von der Kindheit Abschied zu nehmen und jetzt als Jugendlicher mehr und mehr Entscheidungen auch selber zu treffen und die Verantwortung dafür zu tragen. Für die Väter geht es darum, diesen Übergang verständnisvoll zu begleiten. Und es geht auch darum, Abschied zu nehmen von dem Kind, das ihr Sohn mal war. Auch diese Zeit findet in der freien Natur statt.

Die Nacht des Feuers wird an verschiedenen Orten in Deutschland angeboten, eine davon vom 25. bis 27. August 2023 in der Sächsischen Schweiz. Alle weiteren Informationen findest du hier.

Geschlafen wird jeweils im Zelt und für die Zeit sind die Männer für ihr Zuhause nicht zu erreichen. Das Smartphone, das sonst so eine große Rolle im Leben spielt bleibt mal für 50 Stunden aus.

Wir würden uns freuen, dich auf einer dieser Veranstaltungen begrüßen zu können

Männerpfade open council

von Uwe Grohmann

Council  
                                                                          
Seit ich Council mit anderen Männerpfade Brüdern im Eschwege Institut kennen und lieben lernte, hat es mich in verschiedenen Formen begleitet und mein Blick auf Council sich immer wieder etwas verändert. Wichtig sind mir:

Der Kreis

Wir sitzen alle in einem Kreis. Alle sitzen gleich weit voneinander entfernt, niemand ist „Vor-Sitzender“ Unsere Gesichter sind einander zugewandt, unsere Rücken schirmen den Kreis nach außen und geben Sicherheit. Wir alle tragen Verantwortung für diese Sicherheit, in dem wir nichts aus dem Kreis nach außen tragen.
Unsere Kommunikation folgt dem Bild des Kreises. Kein Hin- und her, keine Gegenrede, keine Diskussion. Was gesagt wurde, darf stehen bleiben. Es erfordert keine Reaktion, kann auch zu einem späteren Zeitpunkt seine Wirkung entfalten.

Das Feuer

Wir haben eine Mitte, auf die wir uns fokussieren. Das Entzünden des Feuers zeigt uns, dass wir uns mit etwas verbinden, dass größer ist, als wir selbst. Die Symbolische Wärme des Feuers geben auch wir im Miteinander weiter.

Der Stab

Symbol der Klarheit und der Strukturierung in einer offenen Umgebung. Es spricht wer den Stab hat. Der Rhythmus des Aufnehmens, Sprechens, Ablegens sorgt für Aufmerksamkeit von Sprecher und Hörern für das Gesagte, in der Sprechpause darf es seine tiefere Wirkung entfalten und wird nicht
sofort vom Neuen überdeckt.

Ent-Spannung

Council entsteht bereits im Miteinander sein, es muss nichts passieren, wir müssen nichts leisten. Wir lassen uns Zeit, bis etwas Relevantes zu erzählen ist. Wir sind achtsam für das was im Kreis und das was in uns sich zeigen will.

Männerpfade Open Council

Bei Männerpfade counceln wir eigentlich immer, wenn wir uns sehen. Und als der direkte Kontakt nicht möglich war, ist das Männerpfade Open Council über Zoom entwickelt worden. Inzwischen ist es ein festes Angebot geworden. Und das hat viele Gründe:

Council passt gut zur strukturierten, etwas umständlichen Kommunikation über Computer. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich auch Online viel Nähe und Vertrauen im Kreis aufbauen kann. Die regelmäßigen, 14tägigen Treffen ermöglichen es uns allen, die wir ja weit verstreut leben, den Kontakt zu den Brüdern und zur eigenen Erfahrung der Initiation zu halten.
Für neue Interessierte Männer, die keine persönlichen Kontakte haben, sondern im Netz auf uns aufmerksam geworden sind, bietet es die niedrigschwellige Möglichkeit Männerpfade kennen zu lernen. Die Erfahrung zeigt, dass alleine der Umgang und die Offenheit der Männer untereinander bemerkenswert erlebt wird. Einige Anmeldungen zur MROP sind bereits gefolgt.

Von daher: Wenn Du an einem Dienstag oder Donnerstag (Termine auf der homepage) den Wunsch nach brüderlichem Austausch hast, klicke ab 19:50 auf den Link und einer von uns heißt Dich im Kreis willkommen. Um 20:00 geht’s los. Wir freuen uns auf dich (Manfred, Walter, Stefan und Uwe)

Eine Minute für den Frieden

„Während des Zweiten Weltkriegs organisierte ein Berater des Premierministers Winston Churchill eine Gruppe von Menschen, die jede Nacht zu einer bestimmten Zeit innehielten, was auch immer sie taten, um in der Gemeinschaft für den Frieden, die Sicherheit und die Sicherheit der (ansässigen) Menschen in England zu beten. Das taten sie jeden Tag, und es war, als würde die Stadt stillstehen, so groß war die Macht des Gebets.
Das Ergebnis war so überwältigend, dass die Bombardierungen nach kurzer Zeit eingestellt wurden!

Jetzt organisieren wir uns wieder, eine Gruppe von Menschen verschiedener Nationalitäten, um eine Minute lang für die Sicherheit unserer Länder zu beten, für ein Ende der Probleme, die uns unterdrücken und bedrücken, und dafür, dass Gott die Entscheidungen unserer Regierenden leitet.

Wir werden uns zu folgenden Zeiten treffen:
Deutschtland, Österreich, Schweiz 16:00 Uhr
(Spanien 16:00 Uhr, Portugal 15:00 Uhr, Kanarische Inseln 15:00 Uhr, England 15 Uhr, Costa Rica 20 Uhr, Kolumbien 19:00 Uhr, Nicaragua 20:00 Uhr, Ecuador 19:00 Uhr, Guatemala 20:00 Uhr, Mexiko 20 Uhr, Panama 19 Uhr, Honduras 18 Uhr, El Salvador 20:00 Uhr, Venezuela 18 Uhr, Uruguay 17 Uhr, Paraguay 17 Uhr, Brasilien 18 Uhr, Argentinien 17 Uhr, Chile 17 Uhr, Italien 16 Uhr)

Bitte unterstützt uns bei dieser Initiative.  Wir werden jeden Tag zu den festgesetzten Zeiten eine Minute innehalten, um für den Frieden in der Welt zu beten, für ein Ende der Konflikte und für die Wiederherstellung der Ruhe in allen Völkern der Erde.

Wenn wir die enorme Macht des Gebets verstehen würden, wären wir erstaunt. Stell den Wecker jeden Tag auf 16 Uhr und bete eine Minute lang für den Frieden “

Wo bist du Adam?

Diese Frage holt mich letzte Woche frühmorgens aus dem Schlaf – und lässt mich seitdem nicht mehr los. Mir ist schon klar, dass ich gemeint bin, aber auf welche Weise? Ich nehme sie mit ins Männerpfade open-council, aber ich merke, eine Antwort braucht noch Zeit. Und mitten im Nachdenken greift Putin die Ukraine an. Plötzlich ist Krieg. Schlag auf Schlag. Bomben, Zerstörung, Hunderttausende auf der Flucht. Nichts ist mehr, wie es noch vor Wochen war (oder doch nur zu sein schien?). Sie ist näher gerückt: die alte Gewalt-Politik, das Recht des Stärkeren, ohne Rücksicht auf Menschen. Direkt vor unserer Haustür. Und das ist beängstigend.

Wo bist du Adam? Am liebsten würde ich sagen: solidarisch mit den Menschen in der Ukraine, bei ihrem Kampf für Freiheit, bei ihrem Leiden an diesem brutalen Überfall. Aber das ist jetzt billig, weil ich es vor dem Krieg auch nicht war. Ich bin jetzt erst jetzt aufgewacht. Wie so viele hab ich „das da im Osten“ nicht wirklich ernst genommen. Heute weiß ich, dass diese Ignoranz Putin nur noch weiter ermutigt hat. Der Preis dafür ist extrem hoch. Jetzt für die Ukrainer. Bald schon für uns alle. 100 Mrd für Rüstung? Kohle und Atomstrom trotz Erderwärmung länger nutzen? Es stehen so viele Weichenstellungen und Auseinandersetzungen an. Was wird aus all den andren drängenden Themen, der Klimakrise, der wachsenden Ungerechtigkeit, dem “großen Wandel”? Diese existenziellen Themen müssen wohl erneut warten. Erst Corona und jetzt Krieg. Punkt: Wie frustrierend, dass ein menschenverachtender Diktator wie Putin die Agenda der Welt so bestimmen kann. Ich bin entsetzt, wütend und ohmmächtig. Alles gleichzeitig.

Wo bist du – bei all dem – Adam? Meine Antwort bin ich bisher schuldig geblieben. Sie ist: Hier, aufgewacht, auf schmerzhafte Weise. Ich weiß, dass ich mich nicht länger hinter Ignoranz und Bequemlichkeit verstecken kann. Ich weiß, dass ich für die Wieder-Verbindung mit der Schöpfung und für eine einfache, ressourcenschonende Lebenspraxis noch klarer eintreten muss. Dass ich praktischer werden muss. Ich lese Bonhoeffer und versuche besser zu verstehen, was Vertrauen und Glaube angesichts der aktuellen Übermacht des Destruktiven bewirken kann. Und ich suche Stille und Natur. Das Innehalten in einer kurzen Auszeit am Meer hilft. Auch das Schreiben dieses Textes ist ein Versuch, mich wieder zu zentrieren und klarer zu werden. Es hilft, zumindest gegen die Hilflosigkeit. Auch wenn das am Krieg nichts ändert.

Ich bin machtlos. Und doch kann ich etwas tun. Und ich spüre, dass ich jetzt noch notwendiger Verbindung brauche, dass ich mir Austausch und gegenseitige Ermutigung wünsche, am besten im Kreis von Männern. Denn die biblische Frage „Wo bist du Adam?“ richtet sich an alle Männer, zu allen Zeiten, immer wieder aufs neue. Verstecken funktioniert nicht. Als Mann bin ich bei der Initiation daran erinnert worden, ein geliebter Sohn Gottes zu sein. Und das hat Folgen, wie uns die 5 harten Wahrheiten sagen. Nein, unser Leben gehört nicht mehr uns allein. Und es gibt viel zu tun.

Ich wünsche mir, dass wir als Männerpfade mit unserem Angebot, Männlichkeit spirituell zu leben, noch sichtbarer werden. Dass wir mehr Männer dafür begeistern, zu ihrer persönlichen Heldenreise aufzubrechen. Die Initiation selbst ist eine Heldenreise: Ein Mann hört seinen Ruf, folgt ihm und geht seinen Weg mutig, mitfühlend, schöpfungsspirituell und engagiert. Er stellt sich seinen Ängsten, seinen Verletzungen und wird dadurch zum „Helden“ und lebt als „Held“: Bei Problemen leistet er seinen Beitrag, sei es durch Spenden, Gebet oder durch konkrete Mithilfe. Er hat einen inneren Kompass, erkennt, was richtig und was falsch ist. Er traut sich, zu sagen und zu tun, was notwendig ist, trotz der sehr menschlichen Angst vor negativen Folgen. Solche Helden braucht unsere Zeit, vielleicht mehr denn je.

Dieser Krieg ist zuerst ein Krieg gegen die Freiheit der Ukrainer. Es ist aber gleichzeitig ein Angriff auf alle wohlmeinenden Menschen und auf Mutter Erde. Er legt offen, zu was Menschen fähig sind, im Guten wie im Schlechten. Ich glaube, wir werden gerade gerufen, unsere Haltung und Werte zu überprüfen, zu zeigen, wohin wir wollen und was wir bereit sind, dafür zu tun.

Das war mein Versuch einer Antwort.

Und wo bist DU, Adam?

Do 3. März 2022

Walter

P.S.

Unser tschechischer Bruder Pavel hat ganz aktuell folgende Spendenmöglichkeit gepostet:
Dear brothers,we are close so close! Our retreat center FORTNA.eu is now used for refuge. We have approximately 40 women and children in our house. … In the moment we have here in Czechia approximately 100.000 refugees, but we expected much more next weeks. War is terrible and this one will be very very bad. If you as our friends want to help little bit our refuges here in Prague, you can send your support to our Fortna account we use as well for our Czech donors… I w ill write down our payment details and I promise we will use money only for refugees or we will resend them to some organizations who will be able to support direct in Ukraine if there will be more than we need.Thank you very much for being with us in this situation in one big circle. Your generosity is great.

For small gifts is possible to use our Fortna account We will send confirmation of gift and our code for refugee donation is 2211.If you will have larger amount of money to donate, I will help you to find our USD account from good local organization helping refugee in big scale.

IBAN: CZ6501000001231202380237
SWIFT: KOMBCZPPXXX

Eine Kerze für den Frieden

Es ist vielleicht unscheinbar, was ich im Moment für den Frieden tun kann: am Abend eine Kerze anzünden und innehalten, ein Lied singen oder ein Gebet sprechen. Ich weiß, es gibt viele Menschen, die tun das eben so. Vielleicht nicht jeden Abend, vielleicht nicht zur gleichen Zeit – aber sie tun es wie ich.

„Viele kleine Leute, die an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern.“ (Afrikanisches Sprichwort)

Es wäre schön, wenn diese wenige Zeilen viele Männer als Einladung sehen, mit einer Kerze für den Frieden dabei zu sein bei den vielen kleinen Leuten an vielen kleinen Orten.

Hinterlasst gern einen Kommentar.

kindness and self-compassion

Online – Treffen Eurosoul vom 2.2.22

Lieber Bruder, ich möchte Dir in diesem Beitrag von Eurosoul am 2.2.22 berichten, und wie es mir damit ging. Warum am 2.2.22? Wegen des Datums mit den vielen Zweien, oder doch was tieferes?

Der 2.2.22 war Mariä Lichtmess. Der Tag dauert an Lichtmess schon wieder eine Stunde länger als an Weihnachten, und jeden Tag geht es spürbar aufwärts. Früher war Lichtmess das praktische Neujahr, um das die Knechte und Mägde etwas Urlaub hatten und ggf. auch den Arbeitgeber gewechselt haben. Erst dieses Jahr ist mir aufgefallen, dass die Chinesen das im Prinzip immer noch so machen, und einige chinesische Bekannte und Freunde haben sich sehr gefreut, dass ich ihnen zum Jahr des Tigers viel Glück gewünscht habe.

Das Thema bei Eurosoul war „kindness“ und „self compassion“. Wie kann ich das übersetzen? Freundlichkeit und Selbstmitleid, oder doch besser Selbstmitgefühl? An dem Tag war ich noch nicht ganz an Lichtmess angekommen. Dennoch gab es Momente, in denen ich berührt worden bin, und Inhalte, an denen ich mich reibe.

Der Ablauf der Online Eurosoul Treffen hat mittlerweile ein Format gefunden, das sich praktisch immer wiederholt: Kurze Einführung, Anzünden der Kerzen, Einchecken mit Gefühl, ein Gedicht, Stille, eine Geschichte, „Predigt“ über die Geschichte, Fishbowl Council zum Thema, Small Councils (ca. vier Mann) zum Thema, Zusammenfassung im großen Council: „I’ve heard a man say… (ich habe einen Mann sagen gehört…)“, Verabschiedung und Ausblasen der Kerzen. Dieses Vertrautsein mit dem Ablauf hat mir bestimmt geholfen, besser hineinzufinden, gerade weil ich an dem Tag anfänglich nicht sehr präsent war.

Die Geschichte waren diesmal die Puppenbriefe von Kafka: https://www.mimikama.at/aktuelles/puppenbriefe-franz-kafka

Ich habe Kafka aus Schulzeiten ganz anders in Erinnerung; tatsächlich für mich kaum zu glauben, dass das von Kafka ist. Allein schon, dass er die Trauer des Mädchen gesehen und darauf reagiert hat. Vielleicht gerade deswegen hat mich die Geschichte sehr berührt und es ist für mich ein sehr gutes Beispiel für „Wohlwollen“, als was ich „kindness“ am ehesten übersetzen würde. Dieses Wohlwollen hat dem Franz bestimmt viel Zeit und Mühe und vielleicht sogar Überwindung gekostet. Liebe ohne Bereitschaft für mühevolles Wohlwollen ist wahrscheinlich keine Liebe. Franz, dem ich das nie zugetraut hätte, hat damit seine Liebe gezeigt, was mich zu Tränen rührt, auch wenn vielleicht seine Freundin etwas nachgeholfen hat.

In unserem kleinen Kreis bin ich Kenneth wieder länger begegnet, zum ersten Mal nach 2019, wo ich mit ihm auf einem längeren Spaziergang war. Das hat mich sehr gefreut. Diesmal hat er auch ein viel deutlicheres Englisch gesprochen!-). Trotzdem musste ich sehr genau hinhören… Die anderen beiden waren aus dem Nordosten von Tschechien. Einer von beiden hat Geschichten seiner Tiere beigetragen; das wird mir sicher auch in Erinnerung bleiben. Unser Thema war so zwischenmenschliches und zwischentierisches Wohlwollen. Auf Basis der Geschichte des tschechischen Bruders, dass seine Pferde ein krankes Pferd aus dem Stall geschoben haben, sind wir darauf gekommen, dass es auch ein „hartes“ Wohlwollen geben kann, das liebevoller sein kann als ein weiches. Z.B. wenn ich einem Obdachlosen kein Geld gebe, weil er es nur in Alkohol umsetzen würde. Ich ringe damit sehr. Papst Franziskus hat mal gesagt, dass es auch ok ist, wenn der Obdachlose Alkohol kauft, wenn er nur so mit seiner Situation zurecht kommt. So oder so wäre es aus meiner Sicht nach meinem augenblicklichem Stand nicht ok, wenn ich dem Obdachlosen (d,m,w…) keine Zeit und Beachtung schenke mit der Ausrede, Geld würde er eh nur in Alkohol umsetzen.

Zum Schluss bin ich länger im Meeting geblieben. Manche haben sich schwer getan mit der Verabschiedung – Gott sei Dank. Ich hatte so die Gelegenheit noch ein paar Worte mit Erich und Pete zu wechseln; Erich, mein „südostbayrischer“ Bruder aus Wien und Pete, der für mich durchaus ein Vorbild an Wohlwollen ist, auch wenn er spirituell nach außen so ganz anders unterwegs ist als ich. Erst zum Schluss war ich wohl ganz präsent.

Andreas Poschinger

Auf der Suche nach Gemeinschaft

von Manfred Richter

Auf eine Empfehlung hin habe ich mir ein Buch gekauft. Dabei hatte mein Gegenüber gar nicht von dem Buch erzählt sondern von seiner Erfahrung von einem Gemeinschaftswochenende. Die Begleiter des Wochenendes verwendeten die Methode von M. Scott Peck. Es flossen viele Tränen an dem Wochenende. Und es wurden einige Verwicklungen gelöst.
Diese Informationen brachten mich auf die Suche nach der „Methode“ und somit zu dem Buch Gemeinschaftsbildung von M. Scott Peck.

Das Geschenk des Rabbis

Das Buch beginnt mit einer Geschichte.
Die Geschichte handelt von einem Kloster, welches gerade schlechte Zeiten erlebte. Es gehörte zu einem einstmals großen Orden, aber infolge von wiederholter antiklösterlicher Verfolgung im 17. und 18. Jahrhundert und durch die aufkommende Säkularisierung im 19. Jahrhundert wurden alle Bruderhäuser zerstört, und es waren schließlich nur noch fünf Mönche im verfallenden Mutterhaus übriggeblieben: der Abt und vier andere, alle über 70 Jahre alt. Es war eindeutig ein sterbender Orden.
In den tiefen Wäldern, … (hier geht es zur kompletten Geschichte)

Wir leben mehr oder weniger bewusst in einer oder auch mehreren Gemeinschaften. Und wir sind auch immer wieder auf Suche nach Gemeinschaft.

Ich habe in den letzten Jahren viele Gemeinschaften erlebt, unter anderem in meinen Weiterbildungen. Das waren meist Gemeinschaften auf Zeit, also immer genau für die Tage, in denen wir zusammen waren.
Das Gemeinsame an all dem Zusammensein war das Sitzen im Kreis. Unser Lernen fand immer – wenn wir nicht gerade in der Natur waren – im Kreis statt. Unsere Lehrer und Ausbilderinnen hatten in diesem Kreis keinen herausgehobenen Platz, er oder sie war Teil des Kreises wie wir.
Und eine andere Gemeinsamkeit gab es auch: die Mitte. Es gab immer eine Mitte, manchmal vom Lehrer / der Ausbilderin gestaltet, machmal auch von uns ergänzt. Diese Mitte weist uns darauf hin, dass es nicht allein um uns geht, dass es da noch etwas mehr gibt – seien das nun die anderen Lebewesen, mit denen wir die Erde teilen oder etwas, dass uns auf das hinweist, was über unseren kleinen Horizont hinaus existiert, Himmel und Erde, Gott und Geist – was auch immer.
Ein Drittes war den Kreisen gemeinsam: das Zuhören. Ob nun mit oder ohne Redestab – wer das Wort hatte, sprach und die anderen hörten zu, achtsam, aus dem Herzen. Manchmal war das, was im Kreis gesprochen wurde, vertraulich und dann wurde diese Vertraulichkeit auch gewahrt.
Zwei weitere Dinge habe ich in diesen Kreisen erlebt – gemeinsames Singen und Humor. Ja, wir haben oft gelacht. Das tat gut und auch bdas verband.
Und noch ein weiterer Punkt: Rituale. Diese Runden im Kreis beinhalteten immer auch Rituale – sei das nun Räuchern, gemeinsames Schweigen, Begrüßungs- und Verabschiedungszeremonien.
Und ein Letztes: es waren Gemeinschaften auf Zeit. Wenn „das Ziel“ erreicht war machte sich jeder von uns wieder auf seinen Weg. Manchmal blieb eine Verbindung erhalten, machmal wurde eine Freundschaft daraus. Aber diese Gemeinschaft war zu Ende.

So bin ich in den Jahren in Gemeinschaften hineingekommen und Gemeinschaften gingen zu Ende, manchmal, eher selten, blieben Freundschaften. Und so bleibe ich wohl immer auf der Suche nach Gemeinschaft.