Männerpfade auf dem Wasser

Wir, Jochen, Thomas und Uwe sind in der letzten Woche in der Südsee unterwegs gewesen, in der Dänischen Südsee genau gesagt, und das Wetter war tatsächlich tropisch, warm und mit wenig Wind.

Du hast nicht die Kontrolle – eine Wahrheit der Initiation hat uns dort eingeholt: Nach Wetterbericht und vorhergesagter Windrichtung wollten wir segeln, aber der Wind machte nicht mit. Stattdessen bekamen wir ein Gefühl für unglaubliche Langsamkeit, die mit einem Bad mitten in der spiegelglatten kalten See aufgelockert wurde. Unser Motor hat uns schließlich aus der Ruhe gerissen und uns doch noch an wundervolle neue Orte gebracht.

Die Elemente Wasser und Wind, in unserem Alltag wenig präsent, haben die Woche bestimmt. Am letzten Tag wurde dann der Wind für die ganze Woche nachgereicht. Beeindruckend, wie viele verschiedene Farben das Wasser annehmen kann – und wie schräg ein Boot stehen kann ohne umzukippen. Du kannst Vertrauen. Auch eine Botschaft, die erinnert wurde.

Gemeinschaft initiierter Männer: Diese Verbindung schafft Zuversicht: wir werden miteinander klar kommen. Und mehr als das: intensive, tiefgründige Gespräche, in denen wir Neues voneinander erfahren.

Zogen einst fünf wilde Schwäne.. tapfer versuchten wir dieses Lied immer wieder zu erinnern, am Morgen des letzten Segeltages flogen sie dann tatsächlich vorbei: Fünf wilde Schwäne, leuchtend weiß und wunderschön – und dann hatten wir auch das Lied zusammen.

Schale der Liebe


Wenn du vernünftig bist, erweise dich als Schale, nicht als Kanal – , der Kanal empfängt und gibt fast gleichzeitig weiter, während die Schale wartet, bis sie gefüllt ist.
Auf diese Weise gibt sie das, was bei ihr überfließt, ohne eigenen Schaden weiter.

Lerne auch du, nur aus der Fülle auszugießen, und habe nicht den Wunsch, freigiebiger als Gott zu sein. Die Schale ahmt die Quelle nach.
Erst wenn sie mit Wasser gesättigt ist, strömt sie zum Fluss, wird sie zur See.

Du tue das Gleiche! Zuerst anfüllen und dann ausgießen. Die gütige und kluge Liebe ist gewohnt überzuströmen, nicht auszuströmen…
Ich möchte nicht reich werden, wenn du dabei leer wirst. Wenn du nämlich mit dir selber schlecht umgehst, wem bist du dann gut?
Wenn du kannst, hilf mir aus deiner Fülle; wenn nicht, schone dich.

Bernhard von Clairvaux

„Nichts zu danken“?

Ich erlebe es oft, wenn ich mich bei einem Menschen für etwas bedanke:
„keine Ursache“ sagt der Mensch – und das ist so eine seltsame Redewendung.
Eine Redewendung, die nicht stimmt, denn es gab eine Ursache für meinen Dank.
Selbst wenn ich sage: „danke, dass du da bist“ gibt es einen Grund, eine Ursache für meinen Dank.

Am vergangenen Sonntag wurde der Muttertag gefeiert. Ich hatte am Morgen – ich war ohnehin am Schreiben – die Idee, einen Dank an meine Mutter aufzuschreiben. Und das wurde dann eine richtig gute Geschichte. In der letzten Zeit hatte ich mich auch sehr damit beschäftigt, was in meiner Kindheit nicht so gut gelaufen war und da war viel Kritik an meiner Mutter dabei. Aber an dem Morgen ging es um einen Dank ohne Einschränkung. Das hat mich verändert. Plötzlich stand nicht mehr die Kritik im Vordergrund sondern der Dank.

Heute nun, zu Himmelfahrt, dieser Tag wird auch als Männer- und Vatertag gefeiert: heute war der Dank an meinen Vater „dran“. Das war etwas schwieriger, aber ich habe dennoch viele Dinge gefunden, wofür ich meinem Vater dankbar bin. Und auch hier steht der Dank jetzt vor der Kritik.

Im vergangenen Jahr habe ich mein Berufsleben beendet und zu diesem Anlass gab es ein Fest und zu diesem Fest wollte ich den verschiedensten Menschen danken: meiner Familie, meinen Arbeitskollegen, den „Auftraggebern“, den Architekten und Ingenieuren und den Handwerkern und Restauratoren. Und ich hatte es mir so gedacht, dass ich die jeweilige Gruppe nenne, die Menschen sich vorstellen und ich ihnen dann meinen persönlichen Dank ausspreche. Soweit die Idee – nur: es kam ein klein wenig anders. Eigentlich sollten die vielen Menschen in ihrer Einzigartigkeit bei mir im Mittelpunkt stehen und plötzlich war ich es, der im Mittelpunkt stand: jede(r) aus der Runde dankte mir für etwas Besonderes in der Zusammenarbeit in den vielen Jahren. Der Dank am Anfang gab dem Fest eine besondere Richtung – und es wurde ein sehr fröhliches Fest.

Und ich will noch ein anderes Beispiel erzählen – wo es eben nicht so war. Eine Gruppe von 5 Männern, wir hatten gemeinsam ein Projekt „gestemmt“ und jetzt ging es darum, mit einem Blick aus dem Abstand noch mal drauf zu schauen. Und es wurde viel kritisiert und Verbesserungsvorschläge gemacht. Am Ende blieb ein etwas schales Gefühl: das Projekt war nicht gewürdigt worden.

Fällt es uns Männern schwer, Danke zu sagen?