„Nichts zu danken“?

Ich erlebe es oft, wenn ich mich bei einem Menschen für etwas bedanke:
„keine Ursache“ sagt der Mensch – und das ist so eine seltsame Redewendung.
Eine Redewendung, die nicht stimmt, denn es gab eine Ursache für meinen Dank.
Selbst wenn ich sage: „danke, dass du da bist“ gibt es einen Grund, eine Ursache für meinen Dank.

Am vergangenen Sonntag wurde der Muttertag gefeiert. Ich hatte am Morgen – ich war ohnehin am Schreiben – die Idee, einen Dank an meine Mutter aufzuschreiben. Und das wurde dann eine richtig gute Geschichte. In der letzten Zeit hatte ich mich auch sehr damit beschäftigt, was in meiner Kindheit nicht so gut gelaufen war und da war viel Kritik an meiner Mutter dabei. Aber an dem Morgen ging es um einen Dank ohne Einschränkung. Das hat mich verändert. Plötzlich stand nicht mehr die Kritik im Vordergrund sondern der Dank.

Heute nun, zu Himmelfahrt, dieser Tag wird auch als Männer- und Vatertag gefeiert: heute war der Dank an meinen Vater „dran“. Das war etwas schwieriger, aber ich habe dennoch viele Dinge gefunden, wofür ich meinem Vater dankbar bin. Und auch hier steht der Dank jetzt vor der Kritik.

Im vergangenen Jahr habe ich mein Berufsleben beendet und zu diesem Anlass gab es ein Fest und zu diesem Fest wollte ich den verschiedensten Menschen danken: meiner Familie, meinen Arbeitskollegen, den „Auftraggebern“, den Architekten und Ingenieuren und den Handwerkern und Restauratoren. Und ich hatte es mir so gedacht, dass ich die jeweilige Gruppe nenne, die Menschen sich vorstellen und ich ihnen dann meinen persönlichen Dank ausspreche. Soweit die Idee – nur: es kam ein klein wenig anders. Eigentlich sollten die vielen Menschen in ihrer Einzigartigkeit bei mir im Mittelpunkt stehen und plötzlich war ich es, der im Mittelpunkt stand: jede(r) aus der Runde dankte mir für etwas Besonderes in der Zusammenarbeit in den vielen Jahren. Der Dank am Anfang gab dem Fest eine besondere Richtung – und es wurde ein sehr fröhliches Fest.

Und ich will noch ein anderes Beispiel erzählen – wo es eben nicht so war. Eine Gruppe von 5 Männern, wir hatten gemeinsam ein Projekt „gestemmt“ und jetzt ging es darum, mit einem Blick aus dem Abstand noch mal drauf zu schauen. Und es wurde viel kritisiert und Verbesserungsvorschläge gemacht. Am Ende blieb ein etwas schales Gefühl: das Projekt war nicht gewürdigt worden.

Fällt es uns Männern schwer, Danke zu sagen?

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