Wahrer Frieden entsteht durch Gerechtigkeit

Liebe Männer,

vor zehn Jahren fand meine Initiation in Oberwildflecken statt und ich zehre noch heute davon. Ich bin von Dank erfüllt über die tolle Gemeinschaft, die Inhalte und die Wirkungen in mir und anderen!

In diesem Geist möchte ich etwas mit euch teilen. Von einem sudanesischen (guten) Bekannten Hassan Humeida habe ich die Bitte erhalten, zum Tag der Deutschen Einheit für eine in Südkorea erscheinende Zeitschrift ein paar Fragen zu beantworten.

Das habe ich sehr gerne getan und wunderte mich, wie schnell es mir von der Hand ging, besonders der Passus rund um Richards Satz „In deinem Leben geht es nicht (so sehr) um dich.” Für mich einer der wichtigsten Sätze für unser Miteinander.

Herzliche Grüße Felix

Meine eigenen Erfahrungen als junger Mensch vor der deutschen Wiedervereinigung
Als junger Mann, 1990 gerade 24 Jahre alt, bin ich im Westen Deutschlands aufgewachsen und hatte praktisch keine direkten Berührungspunkte mit der DDR. Die Teilung war für mich eine selbstverständliche Realität – die Mauer existierte bereits mein ganzes Leben lang. Wie viele Westdeutsche meiner Generation war die DDR für mich ein fernes Land, von dem man zwar wusste, das aber im Alltag keine große Rolle spielte. Diese Distanz prägte meine Wahrnehmung der deutschen Teilung bis zu dem historischen Moment, als alles anders wurde.

Meine Gefühle während des deutschen Wiedervereinigungsprozesses
Ich war begeistert und zutiefst glücklich über diese historische Entwicklung. Es war ein Gefühl unbändiger Freude und des Aufbruchs – plötzlich wurde möglich, was jahrzehntelang undenkbar schien. Die Bilder vom Fall der Mauer, die Tränen der Freude und die spontanen Begegnungen zwischen Ost und West bewegten mich sehr. Es war ein Moment der Hoffnung und des Optimismus für die Zukunft, auch wenn mir damals noch nicht bewusst war, welche Herausforderungen der Einigungsprozess mit sich bringen würde.

Wie sich mein Leben und meine Gesellschaft in den letzten drei Jahrzehnten verändert haben
Die Wiedervereinigung hat mein Leben ungemein bereichert. Heute reise ich sehr gern und häufig in den Osten Deutschlands – eine Möglichkeit, die mir vor 1989 verwehrt war. Ich freue mich immer wieder über den Wegfall der Mauer und entdecke die Schönheit ostdeutscher Städte wie Dresden und Leipzig, deren historische Architektur und kulturelle Vielfalt mich begeistern. Deutschland ist zu einem größeren, vielfältigeren Land geworden, das von den unterschiedlichen Erfahrungen und Perspektiven beider Landesteile profitiert hat.

Was lieben Sie an Deutschland als Ihrer Heimat?
Deutschland ist für mich durch sein demokratisches System, die Rechtsstaatlichkeit und das starke soziale Netz geprägt. Besonders schätze ich unser Gesundheitssystem, das allen Menschen Zugang zu medizinischer Versorgung garantiert. Vor allem aber sind es meine Familie und Freunde, die Deutschland zu meiner Heimat machen – die menschlichen Bindungen und Beziehungen, die das Leben lebenswert machen und mir Geborgenheit geben.

Meine eigenen Perspektiven auf die Lehren der deutschen Wiedervereinigung für eine koreanische Wiedervereinigung
Die deutsche Wiedervereinigung fand leider nicht auf Augenhöhe statt, und das ist eine wichtige Lehre für Korea. Es darf kein „von oben herab“ geben – beide Seiten müssen sich als gleichwertige Partner begegnen. Wichtig wäre es, die Errungenschaften beider Teile zu würdigen und zu übernehmen. So wie Deutschland von ostdeutschen Innovationen wie der umfassenden Kita-Betreuung, dem grünen Pfeil an Ampeln und vielem mehr profitiert hat, sollte auch eine koreanische Wiedervereinigung die Stärken beider Systeme integrieren. Der Respekt vor den jeweiligen Lebenserfahrungenund kulturellen Eigenarten ist dabei von entscheidender Bedeutung.

Welche Vorteile sehen Sie für Korea und seine Zukunft im Hinblick auf eine mögliche Wiedervereinigung der koreanischen Halbinsel?
Eine koreanische Wiedervereinigung könnte immense Vorteile bringen: Die Verbindung der
technologischen Innovation und des wirtschaftlichen Dynamismus Südkoreas mit den Rohstoffen und der Arbeitskraft Nordkoreas könnte Korea zu einer bedeutenden wirtschaftlichen Kraft in Asien werden lassen. Kulturell würden getrennte Familien wieder zusammenfinden, und das reiche koreanische Kulturerbe könnte in seiner Gesamtheit bewahrt und weiterentwickelt werden. Strategisch würde eine vereinte koreanische Halbinsel zu mehr Stabilität in der Region beitragen und Korea zu einem wichtigen Vermittler zwischen China, Japan und anderen asiatischen Nationen machen. Nicht zuletzt würde die Wiedervereinigung das koreanische Volk von den enormen Rüstungskosten befreien und diese Ressourcen für Bildung, Infrastruktur und soziale Entwicklung
freisetzen.

Wie sieht der Weg zu einem toleranten und respektvollen
Zusammenleben der Menschen weltweit aus?

Hier möchte ich mit den Worten des Franziskanermönchs Richard Rohr antworten, der in seinem Buch „Adams Wiederkehr“ fünf essenzielle Wahrheiten formuliert. Eine davon lautet: „In deinem Leben geht es nicht – so sehr – um dich.“ Dieser Satz trifft den Kern des Problems. Wahre Toleranz und Respekt entstehen erst dann, wenn wir über unseren eigenen Tellerrand blicken und erkennen, dass wir Teil eines größeren Ganzen sind. Es geht darum, die eigene Perspektive zu erweitern, Empathie zu entwickeln und zu verstehen, dass die Vielfalt der Menschen und Kulturen eine Bereicherung und nicht eine Bedrohung darstellt. Der Weg beginnt bei jedem Einzelnen von uns –in der Familie, in der Nachbarschaft, in der Begegnung mit dem Anderen.

Frieden und Sicherheit in der Welt bedeuten für mich Folgendes:
Frieden und Sicherheit beginnen für mich im eigenen Herzen – mit der inneren Ruhe und dem Vertrauen in die Mitmenschen weltweit. Ohne diesen inneren Frieden können wir keinen äußeren Frieden schaffen. Es bedeutet für mich auch, dass Menschen überall auf der Welt die Chance auf ein würdevolles Leben haben sollten, frei von Angst vor Gewalt, Verfolgung oder existenzieller Not. Wahrer Frieden entsteht durch Gerechtigkeit, gegenseitiges Verständnis und die Bereitschaft, Konflikte durch Dialog statt durch Gewalt zu lösen. In einer globalisierten Welt sind wir alle miteinander verbunden – der Frieden in Korea betrifft auch uns in Deutschland, und umgekehrt.

Männer brauchen Gemeinschaft

Die Jahresversammlung 2025 von Männerpfade ist einige Tage her. Eine wichtige Erfahrung war wieder der Austausch und Kontakt untereinander. Der Alltag ist ein mächtiger Geselle und das Leben als (initiierter) Mann erfordert immer wieder den Austausch mit anderen (initiierten) Männern um auf seinem persönlichen und spirituellen Weg die Richtung zu behalten.

Viele Männer haben regionale Männergruppen, die diese Aufgabe erfüllen können, viele aber auch nicht.

Seit 2020 haben wir das Online Open Council bei Männerpfade und es bietet Dir die Möglichkeit, alle zwei Wochen für zwei Stunden aus Deinem Alltagstrott aus- und in unsere virtuelle Runde ums Feuer einzusteigen. Hier kannst Du vertraute Gesichter treffen und neue kennen lernen. Du gibst gleichzeitig neuen Männern die Möglichkeit, den Austausch, wie wir ihn im Council leben, zu erfahren. Das erleichtert manchem den Schritt zur Initiation.

Ich persönlich finde es immer wieder schön zu erleben, wie wir ein virtuelles Netz spannen: vom uns im Westen bis nach Dresden, vom Bodensee bis weit in den Norden. Und als Digital-Skeptiker bin ich fasziniert davon, wie gut Zoomen zur archaischen Kommunikationsform des Kreises mit Redestab passt.

Also: Wenn Du es noch nicht getan hast schau doch mal rein, das open council gibt es:

  • alle zwei Wochen
  • im Wechsel Dienstag / Donnerstag
  • von -pünktlich- 20:00 Uhr bis -pünklich- 22:00 Uhr
  • offen für initiierte und nicht-Initiierte Männer
  • die Termine und den Link findest Du im Kalender

Du triffst dort: Manfred, Walter, Wolfram oder Uwe als Gastgeber, berührende Geschichten toller Männer und vielleicht auch die neueste Neuigkeit über Dich selbst.

Herzlichst

Uwe

PS: Seit letztem Jahr machen wir Jahreszeiten Council in etwas größerer Form:

Es wird langsam heller, ein Ende des Winters ist in der Ferne zu ahnen:

Geh zusammen mit uns den Schritt in die neue Jahreszeit beim:

FRÜHLINGS-OPEN-COUNCIL

am 19.03.2025, 20:00 Uhr bis 22:00 Uhr

Wir freuen uns auf Dich

Manfred, Walter, Wolfram, Uwe

Mit dem Herzen sehen

Vor einigen Tagen hatte Anna-Rosa, meine Enkeltochter, ihren 1. Geburtstag.

Ich besuchte sie am frühen Morgen. Sie saß in ihrem Kinderstuhl und vor ihr auf dem Tisch stand ein Geburtstagsring mit einer Kerze, einer „1“, einem Schneemann und einem futtersuchenden Vogel. Und sie strahlte, wie ich es bei ihr noch nicht gesehen hatte. Waren unsere Herzenswünsche zum Geburtstag so schnell bei ihr angekommen und zauberten dieses Lächeln ins Gesicht? Ich hätte ihre Glückseligkeit mit geschlossenen Augen spüren können.

Eine andere Geschichte: Mein Vater hat in den 1950-er Jahren einen „Weihnachtsberg“ gebaut, eine erzgebirgische Tradition. Im Laufe der Jahre wurde er immer wieder mal umgebaut und erweitert. Jedes Jahr in der Adventszeit stand er im Wohnzimmer meiner Eltern und meine Mutter lud die verschiedensten Menschen ein, die dieses kleine Kunstwerk betrachten konnten. Betrachten reicht gar nicht: die Geschichten erleben, die dieser Weihnachtsberg erzählte, begonnen vom Bergwerk über die Striezelmarktbuden durch das Dorf auf zwei Etagen mit der Kirche aus unserem Heimatort hin zu der Krippe mit Maria, Josef und dem Kind, den Hirten und Schafen und den Weisen aus dem Morgenland bis zum Engelsorchester ganz oben.

Nach dem Tod meiner Eltern habe ich diesen Weihnachtsberg an ein Museum in der Nähe von Dresden verkauft. In der dortigen Weihnachtsausstellung wird dieser Weihnachtsberg nicht jedes Jahr gezeigt – aber 2024 war es wieder so weit.

Und so machten wir – meine Kinder mit ihren Kindern und ich – uns auf den Weg, diesen Weihnachtsberg zu besichtigen. Als erstes war ich selber überrascht, welche Wirkung das Werk meines Vaters auf mich machte. Und die Enkelkinder waren total begeistert und konnten sich nicht sattsehen, um die Geschichten, die der Weihnachtberg erzählen kann, zu entdecken.

Wenn ich ein Council hüte und die Vereinbarungen am Beginn erläutere, sage ich beim „von Herzen hören“, dass das auch heißt, nicht zu bewerten, was der Mensch mit dem Redestab gerade spricht. Dieser Mensch spricht gerade seine beste Wahrheit.

Es fällt mir nicht immer leicht, das auch anzunehmen. Aber es wird besser. Vielleicht hängt es mit meinem Alter zusammen, dass ich zunehmend weicher und mitfühlender werde – mit mir und mit den anderen Menschen.

Charles Eisenstein schreibt in seinen Büchern vom Zustand des Getrenntseins, in dem wir die meiste Zeit leben. Und dieser Zustand scheint sich nicht zu bessern.
Das Leben kennt das Getrenntsein nicht. Wenn ich in der Natur bin dann merke ich ziemlich rasch, dass es Getrenntsein nicht gibt. Alles um mich herum wirkt auf mich:

Wind, Hitze, Kälte, Regen, Schnee, der klopfende Specht, der warnende Eichelhäher, das vorbeihuschende Reh, die Maus im Laub – alles berührt mich unmittelbar und das wenigste davon sehe ich wirklich. Aber ich habe eine Ahnung davon. Ich spüre es in meinem Körper.

In einer Geschichte sagt der Fuchs zum kleinen Prinzen: „Hier ist mein Geheimnis. Es ist ganz einfach: man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ (Antoine de Saint-Exupéry „Der kleine Prinz“).

Das hoffe ich: immer öfter mit dem Herzen sehen und die Schönheit dieser Welt entdecken.

Manfred, Januar 2025

Kühles Morgenbad – 2 Minuten

S. (der Mann ganz links mit der blauen Mütze) lud alle Interessierten ein, vor dem Frühstück mit in die Quelle zum kurzen Bad zu kommen. Vor zwei Jahren hätte ich (der Mann mit der roten Mütze) das abgelehnt, aber ein Freund nahm mich am Neujahrstag 2023 im Isergebirge zum Anbaden mit – ich überlebte, eigentlich ganz gut.

Das Jahrestreffen von Männerpfade (Ratsversammlung) war richtig verbindend gewesen. Ich spürte gute Energie und wollte dabei sein. Nun hieß es aber, 2 min wäre eine gute Zeit, natürlich ohne Verpflichtung. Ich konnte mir das gar nicht vorstellen, aber meine 9 Mitbader irgendwie schon.

S. gab Tipps: Arme an den Körper pressen, Hände außerhalb lassen. Ich als Zweifler überlegte, dass das Wasserr ja wärmer als die Luft war, ob der Tipp gut war. Und dann ging es los, und viel überlegen ging nicht mehr. Und dann war ich drin, versuchte, die Arme an den Körper zu pressen und die Hände draußen zu lassen.

Schön, dass sich A. bereiterklärt hatte, zu fotografieren. Und da konnte ich nicht einfach wieder raus, dachte ich, die Fotos dauerten eben eine Weile. Siehe da – es fühlte sich gut an, so dass ich sogar mit einigem Erfolg versuchte, zu entspannen.

Nach 2 Minuten gingen die meisten wie ich hinaus und es war gut.

Viktor

Begegnungen auf dem Berg

KIM.M auf d’Oim! Offene Begegnung initiierter Männer auf der Alm

Zur Sommersonnenwende trafen sich zehn Männer auf einer Alm am Fuße des Zwieselberges in den Tölzer Voralpen. Drei Männer reisten schon am Vortag an, sowohl um mehr Auszeit in den Bergen zu haben, als auch, um die Hütte auf das Treffen vorzubereiten – einer war dafür extra aus Wien gekommen. 

Veranstaltet und vorbereitet wurde diese besondere Form der Begegnung auf dem Berg vom „Kreis Initiierter Männer im Raum München“, nach der Premiere im Juli 2023 nun zum zweiten Mal. Heuer war „Beziehungen“ das Thema. 

Am Freitag begannen alle zehn Männer die Auszeit gemeinsam durch einen bewussten Schwellengang. Einige waren dafür zuvor 500 Höhenmeter vom Tal zum Treffpunkt hoch gelaufen. Nach einer Räucher-Zeremonie mit Weißen Salbei gingen alle den letzten Kilometer in Stille zur Alm. 

Dort angekommen gab es verschiedene Rituale, Impulse und Zeit für Begegnungen mit sich selbst, zu zweit, in Kleingruppen und mit der Natur. Es wurde viel gesprochen, aufmerksam zugehört, geschwiegen, und auch gelacht, gesungen und getanzt. 

Zwischendurch wurden gemeinsam einfache, aber köstliche Mahlzeiten zubereitet. Übernachtet wurde auf dem Dachboden der Alm in einem Bettenlager. 
 
Einige Männer gingen früh morgens zum Sonnenauf- und / oder abends zum Sonnenuntergang auf den nahegelegenen Gipfel des Zwiesel, mit einer fantastischen Aussicht. Aber auch Unwetter in der Nacht mit heftigen Gewittern waren beeindruckend. Gut, dass zu dem Zeitpunkt alle in der sicheren Hütte waren. Schade nur, dass unser Feuer in der Feuerschale draußen auf diese Weise zweimal ein nasses, jähes Ende fand.
  
Nach 24 intensiven Stunden, die sich für die meisten länger anfühlten, gab es herzliche und innige Verabschiedungen und den Wunsch, ein solches Treffen in Zukunft wieder stattfinden zu lassen.

Das Gute, das Wahre und das Schöne !

392 Tage liegen nun zwischen dem letzten Tag meiner Männerinitiation in Nordbayern und dem ersten Wort das ich hier schreibe.

Es war bereits meine zweite Bewerbung zur Initiation. Dass ich ein Jahr zuvor, 2022, kurzer Hand aus privaten Gründen nicht teilnehmen konnte und vielleicht auch sollte, war sicherlich Teil des Weges. Für mich persönlich war das Durchlaufen der Initiation eine Zäsur, ein wichtiger markanter Meilenstein in meiner Mann-Entwicklung.

Was war der Anstoß dazu? Ein heftige Krise mit 38 Jahren! Arbeitsplatzverlust, Schaden meines „Ansehens“, wiederholt verletzte und enttäuschte Menschen (vor allem Frauen), Hausverbot, Strafanzeige, Strafbefehl und Geldstrafe. Alles selbst hervorgerufen. Vier Jahre vor dieser „heftigen“ Krise wurde außerdem meine Ehe geschieden, aus der ein wunderbarer Sohn hervorgegangen ist. Obwohl eine Scheidung nicht weniger eine Krise ist, fiel ich zu diesem Zeitpunkt wohl noch nicht tief genug um mein Handeln zu hinterfragen. Es sollte/musste heftiger kommen! Denn der Mensch macht im Laster das, was er nicht will, so schreibt es der Wiener Psychiater Raphael M. Bonelli in seinem Buch:

„Die Weisheit des Herzens“. Es war der Gipfel der vorhergegangen 20 Jahre. Plötzlich macht es BANG!

Wohin mich mein Pornografiekonsum einmal führen wird, konnte ich mir nicht vorstellen, zumal ich nie von mir selbst gesagt hätte ich wäre danach „süchtig“. Abgesehen davon, dass das Ansehen von Pornografie weder im „Geheimen“ noch in beidseitigem Einvernehmen innerhalb einer Beziehung Platz finden sollte, es beeinflusst uns, ob wir es wollen oder nicht, das ist mittlerweile meine persönliche Haltung zu diesem Problem. Meine guten Werte hielt ich nach eigenem Ermessen ein, mein Gewissen verdrängte ich. Mein Ego war groß genug und überzeugt, dass wann immer ES möchte mit Pornokonsum aufhören könnte. Das Gegenteil war der Fall, es nahm mich ein und beeinflusste mich unbewusst in andere Lebensbereiche hinein. Plötzlich war ich im freien Fall. Aufgefangen hat mich Gott!

Mir war ab diesem Zeitpunkt klar, dass ich Hilfe brauche. Ich wollte und möchte auch meinem Sohn ein gereifter, verantwortungsbewusster Vater sein. Dieser teuflische Kreislauf soll unterbrochen werden. Ich bin von Herzen dankbar, dass ich in dieser völligen Ausnahmesituation die Schuld auf mich nehmen wollte und es auch konnte, das war der wichtigste Schritt überhaupt um mich ent-schuldigen zu können. Nicht vor Gott, denn er hat mir durch Jesus bereits vergeben, aber bei all meinen Mitmenschen.

Es muss Licht bis in den letzten Winkel meines Herzens. Es ist höchste Zeit den eigenen Schatten anzusehen, vor allem wenn alle Anderen ihn bereits vor dir sehen. Ich fand 2020 Hilfe bei einem Psychotherapeuten und Arzt, der, so sollte sich erst eineinhalb Jahre später herausstellen, selbst ein initiierter Mann ist. Er, Klaus, hat mich dazu ermutigt mich für die Männerinitiation zu bewerben. Es war gut und richtig, danke Klaus.

Ich kann mich so gut daran erinnern, wie es nach einigen Sitzungen plötzlich wie Schuppen von meinen Augen fiel, dass ich abhängig von Pornos bin, es war eine so harte, tiefgehende Erkenntnis, über die ich Wochen „trauerte“. Du hast nicht die Kontrolle. There is a crack, a crack in everything.

Meiner Initiation ging also bereits ein Weg an seelischer Gesundwerdung voraus, ich empfand dabei das Übernehmen von Verantwortung für mein Handeln und das Bitten um Vergebung als die wesentlichen Voraussetzungen dafür. Die Initiation kam für mich dann auch zum rechten Zeitpunkt.

Wie habe ich die Initiation erlebt? Warum hat sie weiteres Licht in mein Dunkel gebracht? Es war wesentlich für mich, dass Regeln und Grenzen während der Initiation definiert und gegolten haben, insbesondere in den Kleingruppengesprächen. Obwohl alle anderen Männer erst einmal fremd waren, konnte ich mich das erste Mal außerhalb meiner Therapie öffnen, ich hatte Vertrauen, es war gegeben, geschenkt und ich wurde nie bewertet. Danke Männer!

Meine eigenen Wunden herauszufinden, sie zu erkennen, zu benennen, anzusehen und zu fühlen war so wichtig. Fühlen zu dürfen, Vergebung aufrichtig auszusprechen, denen die auch mich in meinem Leben verletzt haben, ist eine Frucht meiner Initiation, noch mehr gilt dies für das Bitten um Vergebung.

Erkennen und Verstehen ist immer Stückwerk, dieser Prozesse wird nie aufhören und das Ganze Große werden wir zu Lebzeiten nicht durchschauen können. Nach meiner Initiation fühlte ich mich stark, aufgetankt, motiviert aber auch nachdenklich bescheiden. Als Novize sollte mein Weg nun weitergehen, ich tauchte tiefer in Richard Rohrs Gedanken ein und habe mehrere seiner Bücher gelesen. Ich beschäftigte mich mit den männlichen Archetypen und konnte auch mich selbst besser verstehen. Ich habe meinen Eltern in jeder Hinsicht Vergebung ausgesprochen, nicht weil mir danach war, sondern weil auch mir viel Barmherzigkeit und Güte widerfahren ist. Nicht zu erwarten, dass gleichzeitig auch mir von anderen Menschen vergeben wird, ist hart und manchmal schwer auszuhalten.

Tatsächlich aber wird Gott weiter meine Wunden heilen und mir den rechten Weg bereiten, er wird mir helfen (Jesaja 41,10). Erst durch meine Initiation begann ich zu begreifen, was es bedeuten kann „nach oben zu fallen“-“falling upward“, so wie Richard Rohr es nennt. Ich durfte also weiter meinen Weg in der zweiten Lebenshälfte gehen. Tugenden wie Güte, Vergebung, Treue, Beständigkeit, Besonnenheit, Nachsicht, Verbundenheit und Entschlossenheit helfen mir dabei meinen „guten“ Werten, die immer schon in mir angelegt waren, in anderer Qualität und mit anderem Verständnis nachzukommen. Ich habe den Mut gefunden, mich selbstständig zu machen und um meine Beziehung, meine Liebe zu kämpfen. Sie hat neben Gott wohl immer schon auch in mein Herz schauen können und das Gute erkannt. Mit meinem Sohn gehe ich campen, baue Pfeil und Bogen und erzähl ihm davon warum es Krieger, Könige, Weise und „echte“ liebevolle Liebhaber braucht. Ich versuche es ihm vorzuleben, dass er selbst zu einem gereiften Mann heranwachsen kann.

Nein, es ist noch nicht Alles gut, es muss auch kein Glitzer drauf…..es ist aber viel besser, ehrlicher, entschlossener, ausgeglichener, friedvoller, verbindlicher und schöner. Meine Sucht habe ich unter Kontrolle. Die Kraft für diesen Weg gibt mir alleine Gott der Vater! Das ist meine wahre Erkenntnis.

Einst war ich ein Junge, und dachte wie ein Junge, jetzt bin ich ein Mann und lebe als Mann.

Vom Trüben und Steinigen…..

…..ins Klare und Wegweisende.

Hüter der Schwelle

8.5.24 nach dem Firming in Eisenach
Hüter der Schwelle
Walter räuchert mich und Bernhard trennt mit der Rute meine Bande zur diesseitigen Welt, mit den Segenssprüchen dieser gütigen Männer trete ich frohgemut über die Schwelle in die Anderwelt, hinaus in die Wildnis – allein mit mir und der Natur, ohne Zelt, ohne Feuer, ohne Essen, ohne Uhr. Einen schönen Platz finde ich stromaufwärts direkt am Bach,
die Jagdhütte in Sichtweite oben am Berg beunruhigt mich zu Unrecht, aber die Wildschweinsuhle direkt hinter dem Baum, an dem ich meine Plane befestig habe lässt mich nach kurzer Abwägung alles wieder abbauen und weiterziehen.
Meinen Platz finde ich dann auf dem Kamm mit Blick auf den Bach, ein umgestürzter toter Baum und davor ein ganz kleiner neugeborener, der gerade seine Blütenknospen öffnet laden mich ein: hier zwischen Tod und Neugeburt bin ich richtig.
Als alles getan ist und ich sitze, auf das Wasser hinunterschaue und den Vögeln lausche stellen sie sich ein, meine Hüter der Schwelle, und da sind sie: Kälte und Unruhe. Es geht mir immer schlechter, weiß mich nicht zu lassen, werde nicht warm, finde keine Ruhe. Der graue Himmel lässt keine Tageszeit erahnen, die Kälte dringt mir in die Glieder, rastlos treiben die Gedanken. Schließlich erkenne ich meine alten Familienmitglieder: die Kälte des Vaters und die Unruhe der Mutter. Komm in die Gänge, Andreas, benutze deinen Verstand, deine Erfahrung und deine Kraft, deine Sinne und deine Intuition! Mit Singen und Beten, Atmen und Tai Chi werde ich ein bisschen wärmer, Ich schreibe ein Gedicht über den munteren Bach im Tal und sein vielstimmiges Gebrabbel und Gekicher. Ich begrüße die großen
Buchen, Eichen und Ulmen auf meinem Kamm und begreife, warum ich unten am Bach nicht bleiben konnte: hier, unter den Männern ist mein Platz, hier werde ich ruhig. Das Weibliche unten im Tal grüße ich von hier mit Dankbarkeit, Freude und Respekt.
Ich finde einen schönen langen Strecken und trete in den Kreis der großen Bäume. Ich bitte um ihre Weisheit und Kraft und um ihren Segen. Ihre Großzügigkeit wärmt mich und ihr freundlicher Spott macht mich ruhig. Nur Männer können Männer heilen, sagt Bernhard später. Die Kälte verlangt nach meiner Wärme, und ich verspreche, ich gebe weiter, was ich bekommen habe. Der Herr ist mein Hirte, aber mein Stecken und Stab werden die Zuversicht weitergeben.
Früh bin ich wach, packe meine Sachen und sitze: das Morgenkonzert der Vögel, die vielen kleinen Stimmen des Bachlaufs im Tal, der heitere Ernst der großen Bäume auf der Höhe, die dunklen umgefallenen Stämme und unter ihnen die Schösslinge mit ihrem frischen Grün.
Dann ruft mich Manfreds Trommel, Bernhard begrüßt mich an der Schwelle, reich beschenkt kehre ich zurück zu den Menschen.

Andreas

Bachlauf, du munterer
spül meine Schmerzen
wieder zurück zu mir
zu lange steckten sie fest
unter dem Staudamm der Lüge.

Zu lange saß ich am breiten Fluss
der unterworfenen Städte
gefügig gemacht durch den
steinernen Frieden trug er
die Lastkähne wie ein stummes Tier

Du aber kleiner Bach
du gluckst und kicherst
bei jedem neuen Hinternis
und dein vielstimmiges Gelächter
heilt mein schmerzloses Leid.

Andreas

Du entscheidest!

Der Imperativ in der Überschrift nimmt die Antwort vorweg. Du entscheidest!
Doch wie lautet die dazu gehörende Frage? Bevor dieses „Geheimnis“ gelüftet wird,
zunächst eine kleine Einordnung.

Vor einigen Wochen haben wir ein neues Jahr begonnen. Viele nehmen sich im
Jahreswechsel an Silvester Dinge vor und machen sich an einem Abend gute Vorsätze
fürs neue Jahr. Du auch? Ich schon!
In diesem Jahr habe ich die Raunächte gefeiert. 13 Wünsche galt es zu formulieren. Während 12 Wünsche an Gott und an das Universum abgegeben werden konnten, indem sie Nacht für Nacht verbrannt wurden, liegt die Erfüllung des letzen Wunsches in der eigenen Verantwortung. Niemand und nichts kümmert sich darum, wenn ich es nicht selber mache. Ich entscheide, ob der Wunsch ein Wunsch bleibt oder ein Ziel wird, das eine Chance auf Realisierung hat.
Mein 13. Wunsch lautet: Der neue Disponent macht seine Arbeit gut! Und ich habe mehr Zeit für mich. Der „Disponent“ ist in dem Fall keine angestellte Person, sondern eine Figur aus meinem inneren Team.

Der „alte Disponent“ hat alle freien Zeiten mit beruflichen Terminen gefüllt. Das logische Ergebnis war viel Arbeit, zu viele Anforderungen, wenig Erholung und gelegentlich streikte meine Motivation und ich fand mich am Rande meiner Kräfte wieder.

Da der Wunsch kein Wunsch bleiben sondern Realitiät werden soll, habe ich einen „neuen Disponenten“ eingestellt. Weniger prosaisch: Ich habe mir ein Ziel gesetzt. Ich will mehr Achtsamkeit und mehr Augenmaß im Umgang mit meinen persönlichen Kräften, meinen Grenzen und meinen Ressourcen üben. Ich will Zeiten einplanen, die auch wirklich frei bleiben, die der Muße und der Entspannung dienen. Ein toller Gedanke und eine schöne Perspektive!

Und dann merke ich, wie sich in dieses Ziel Vorbehalte mischen, wie mehrere ABER sich Raum verschaffen wollen. Was mache ich mit der Zeit, die dann mehr ist? Wird mir dann nicht langweilig? Habe ich Hobbies?
Solche und ähnliche Fragen schlichen sich ein. Zunächst schüttelte ich den Kopf. Dann schaute ich noch etwas tiefer und es stellten sich neue, existentiellere Fragen: Was ist das Maß für genug? Was denkst du wirklich über dich? Bist du, was du schaffst? Bemisst du dich selbst nach deiner Leistung?

Tja, was bin ich, wenn ich weniger oder nichts mehr leiste? Die Frage geht mir nah, sie trifft mich und macht mich unruhig. Sie wartet auf Antwort und so wird die Frage mich begleiten. Wohl nicht nur die ersten Wochen, sondern mindestens das gesamte Jahr über. Niemand wird die Entscheidung für mich treffen. Ich werde entscheiden und Antworten finden. Und es geht um viel. Es geht um mich, um meine Gesundheit, um mein Leben. Ich entscheide, wo die Reise hingehen wird.

Vielleicht hast du ähnliche Fragen. Vielleicht befindest du dich auch auf dieser inneren Reise. Dann lass uns, wenn wir uns sehen, darüber reden und uns Anteil geben.
Ich freue mich an deiner inneren Reise Anteil haben zu dürfen.

Peter H.

Initiiert – und nun?

(M)ein steiniger Weg

Wenige Tage nach meiner Initiation im Juli wollte ich eine Art Erfahrungsbericht für diesen Blog schreiben. Das war die Idee. Im September habe ich dem Admin hier angekündigt, einen Blogbeitrag zu schreiben – wohl auch, um mir etwas Druck zu machen, endlich anzufangen. Jetzt im Februar – mehr als ein halbes Jahr nach der Initiation – sortiere ich zum x-ten Mal meine Gedanken und versuche sie in einen Text zu gießen. Vermutlich braucht es einfach Zeit, das Erlebte und meine Gefühle dazu, zu sortieren und in Worte fassen zu können. Außerdem brauche ich generell für viele Dinge (alle?) sehr, sehr, sehr… viiieeeel Zeit, gefühlte Ewigkeiten. Leider (?) Gottes habe ich diese Eigenschaft an meinen Sohn „vererbt“. Bei ihm treibt sie mich regelmäßig zur Weißglut (und wie…)

Vielleicht braucht es auch einfach nur diese Zeit, um meinen Stein zu finden. Später mehr dazu.

Was nun also? Ich bin initiiert. Und jetzt?

Kurz gesagt:

Ich habe absolut keine Ahnung. 🙂 Ich habe wahrscheinlich mehr Fragen als vorher – mit Sicherheit auch welche, die ich (mir) vorher (noch) nicht gestellt habe, und welche, die ich mich (früher) nicht getraut habe (mir) zu stellen.

Ich versuche mich mal an (m)einer Antwort auf die Frage „Und nun?“:

Die gemeinsamen Tage der Initiation unter vielen Männern haben mich sehr berührt und nachhaltig beeindruckt.

Begeistert von dieser Erfahrung wollte ich einen „Tschakka-Text“ für den Blog schreiben: „Yeah, ich war dabei. Jetzt wird alles anders. Ich habe gleichgesinnte Männer getroffen, kennen und schätzen gelernt. Ich bin nicht allein. Jetzt wissen wir wie es geht. Auf geht’s, los! Jetzt wird alles gut.

Ein paar Wochen später fühlte sich das alles schon anders an.

An das Erlebte konnte ich nicht mehr anknüpfen. Eine gewisse Enttäuschung und Traurigkeit machte sich in mir breit. Ich wollte die Eindrücke, Gefühle, Gespräche, unsere Gemeinschaft unter Männern… – alles – konservieren und festhalten.

Ich versuchte Kontakt zu anderen Männern, zu „meinen“ Männern aufzunehmen: per E-Mail, per Telefon, über ein Forum. Das war nicht dasselbe. Ich wollte meine Erinnerungen wach halten. Ich war doch so begeistert und berührt. Die wohligen Gefühle verblassten immer mehr.

Ungefähr in dieser Zeit kündigte ich dem Admin diesen Text an – wohl auch mit der Hoffnung, die Erfahrungen im Sommer wieder auffrischen, mich wieder mit dem Erlebten verbinden zu können, wieder zu fühlen. Irgendwann in dieser Zeit muss ich dann meinen Stein gefunden haben.

Er lag mitten in der Stadt am Straßenrand direkt vor meinen Füßen.

Sofort verband ich mit ihm etwas, das mir jemand während meiner Initiation schenkte. Das gefiel mir, ich steckte den Stein ein. Ich verband damit die Hoffnung, mich besser, öfter, einprägsamer an die bewegenden Tage im Sommer erinnern zu können. Jedes Mal, wenn ich ihn in die Hand nahm, wollte ich mich erneut berühren lassen, meinem Gedächtnis auf die Sprünge helfen, es anschubsen.

Ein Stein des Anstoßes?

Trotz dieser handfesten „Merkhilfe“ rannen mir die angenehmen Erinnerungen wie Sand durch die Finger. Ich wollte sie so gerne (im Herzen) bewahren und das gelang mir nicht. Irgendwie schien es nicht machbar, unmöglich zu sein, sie festzuhalten. Und dann kam der Herbst: immer kürzere Tage, trübe Tage, immer mehr Dunkelheit.

Ganz anders als sonst merkte ich in diesem Jahr – zu meinem Erstaunen – wie sich der Spätherbst auf mein Gemüt auswirkte. Mit der sich ausbreitenden Dunkelheit wurde meine Stimmung von Tag zu Tag düsterer. Ich schlief schlecht, machte mir viele Gedanken, alles war eingetrübt. Mit den immer kürzeren Zeiten von (Tages-)Licht, wurde ich melancholischer, immer mehr Trübsal und Schwermut machten sich breit. Meine Lebensenergie und -freude vom Sommer schwand und schwand.

Das war hart – für mich und für mein direktes Umfeld. Sehr hart. Auf eine gewisse Art und Weise war ich erstarrt – zu Stein geworden.

Hart wie mein Stein?

Diese Phase ist nach wie vor noch nicht komplett vorüber. Aber inzwischen habe ich das Gefühl wieder, Boden unter die Füße zu bekommen. Das fühlt sich gut an und macht mich zuversichtlich. Die Wintersonnenwende ist – zum Glück – passé. Die Tage werden wieder länger. Es wird immer heller. Licht.

Danach sehne ich mich. Nach Licht, nach Sonne, nach Wärme.

Nach Erwachen, nach Wachsen, nach Gemeinschaft, nach Austausch, nach Tiefe, nach Berührung…

Irgendwie so wie ich mich im Sommer mit „meinen“ Männern bei der Initiation fühlte.

Seit dem Spätsommer begleitet mich mein Stein auf Schritt und Tritt – jederzeit griffbereit in meiner linken Hosentasche. Auf jedem Weg ist er dabei. Mein Stein gibt mir Halt, Festigkeit, Standhaftigkeit – eine gute Basis, um mit mir in Kontakt zu sein, mit mir in Verbindung zu gehen, wenn ich ihn in die Hand nehme. Und mein Stein ist eine wunderbare „Merkhilfe“, mit dir, lieber Bruder, gemeinsam auf dem (Pilger-)Weg und verbunden zu sein.

Nachwort

Vor einigen Tagen habe ich meinen Stein verloren.

Ich vermute, dass er mir aus der Hosentasche gerutscht ist, als ich meinen Schlüssel herausgeholt habe. Ich hatte mich auf eine Bank in die Sonne gesetzt und wollte die Wärme genießen. Einen Tag später fiel mir auf, dass mein Stein weg ist. Wo konnte er nur sein? Ich war traurig. Kann ich ihn wiederfinden? Wo soll ich ihn suchen?

Ich habe mich entschieden ihn nicht zu suchen. Von meinem Stein habe ich mich verabschiedet. Vielleicht soll es so sein.

Ich interpretiere es so: ich brauche meine Merkhilfe nicht mehr. Nun „schleppe“ ich ein Ding weniger mit mir herum, eine „Last“ ist „abgefallen“. Vielleicht ist es eine Übung loszulassen, nicht an Dingen festzuhalten. Vielleicht ist es ein Hinweis, die Idee an sich von dem „Ding“ zu unterscheiden. Der Stein steht nur für die Erinnerung an die Initiation, an die Gemeinschaft, den Kontakt und die Verbindung, der Stein ist nur ein Symbol. Gemeinschaft, Kontakt und Verbundenheit finde ich nicht im oder mit dem Stein. Ich glaube viel mehr der Verlust soll mir sagen: Trau dich, lass los. Du kannst auch so mit dir, mit Männern, mit der Schöpfung in Kontakt gehen, dich verbinden und eins werden.

P. S. Während der Initiation war ich ich mit „meinen“ Männern in der Gruppe „Petrus“ – der Fels, das Fundament. Vielleicht ist mein Stein ein kleiner Fels, eine Basis, auf der ich etwas (auf-)bauen kann. Sicher keine Kirche ;-), aber vielleicht mehr Verbundenheit mit mir und der Welt.

P. P. S. Vielleicht hat auch meine erste Teilnahme an der Ratsversammlung Anfang diesen Jahres dazu beigetragen, leichter in Kontakt mit mir und den anderen Männern zu kommen. Aber nur vielleicht. 😉

Männer, ich spüre die Verbundenheit. Danke!

L. P.

Franziskanische Wanderung

„Franziskanisch Wandern“ heißt Reduzierung auf das Einfache, Verzicht auf Annehmlichkeiten, ein bewusst herbeigeführtes angewiesen Sein auf Andere und ihre Hilfsbereitschaft und Unterstützung. Wer ohne Zelt oder Tarp wandert und keine Unterkunft organisiert hat und kein Geld für Übernachtung einplant hat, ist auf das Wohlwollen vom Menschen angewiesen, die bereit sind spontan sieben fremde Männer für eine Nacht unentgeltlich unterzubringen.

Tatsächlich hat es funktioniert! Die Angesprochenen haben sich unseres Problems angenommen, haben nach einer Lösung gesucht und uns an Ansprechpartner im Dorf vermittelt. Unsere Freude und Dankbarkeit war groß, als wir in einer Alten Schule, einem Kolpingheim und einem Sportheim unterkamen und dort nicht nur die Toiletten sondern auch die Küche benutzen durften. Durch die Offenheit und das Vertrauen entstand Verbundenheit und Brüderlichkeit, mit den Gastgebern und auch innerhalb der Gruppe. Das Gefühl, getragen zu sein, ist für mich tröstlich und tief berührend. Ich fühle mich verbunden mit den Menschen, denen ich begegnet bin, mit der Natur und mit mir selbst. Ich wurde reich beschenkt.
Danke!

Heinrich

Wieder fühle ich mich in diesen Tagen ganz besonders mit der Welt und dem Leben verbunden; und das auf allen Ebenen:
ICH – einige Routinen und manchen Luxus muss ich loslassen und stattdessen die Ungewissheit gelassen und heiter annehmen.
DIE GRUPPE – beinahe rund um die Uhr sind wir zusammen. In einigen Momenten ist das auch ein Aushalten, aber sehr viel öfter ein Staunen. Jeder bringt seine eigenen besonderen Fähigkeiten ein, sodass wir total bereichert und für alles gewappnet unterwegs sind.
DAS GROSSE GANZE – tagsüber beherbergt, beschenkt, besonnt und auch beregnet uns die Schöpfung und abends dürfen wir Vertrauen, Hilfsbereitschaft und Dorfgemeinschaft bei der Quartierssuche erleben. Schon 16-mal habe ich in unterschiedlichen Gruppenkonstellationen eine franziskanische Wanderung unternommen – so viel Tiefe und Gleichklang wie dieses Mal mit uns initiierten Männern habe ich dabei noch nie gespürt.

Daniel

Gehen zusammen und einzeln, Schritt für Schritt, zunehmend geerdet, im Hier und Jetzt, in Kontakt. Wir Sieben einigen uns erstaunlich schnell: Wohin soll es heute gehen? Wie wollen wir einen Schlafplatz finden? Wie wollen wir dafür sorgen, dass alle gut genährt sind? … Ich bin überrascht, wie gut das geht, obwohl ich vorher nur einen von allen kannte, bin überrascht, wie viel Hilfe wir in den Dörfern erfahren, lerne anzunehmen, was mir geschenkt wird, freue mich über die Impulse der anderen Männer. Wir unterstützen uns.
Ich nehme viel mit nach Hause.

Uli

Gestartet sind wir als sieben einzelne Männer.
Unterwegs hat uns Mutter Erde reichlich mit ihren Gaben erfreut (Pilze, Brombeeren, Äpfel, Birnen, Pflaumen und Mirabellen).
Das Sauerland hat uns mit abwechslungsreichen Wanderwegen und traumhaften Aussichten verwöhnt.
Die Sauerländer haben uns mit offenen Herzen empfangen und als Dorfgemeinschaft selbstlos Übernachtungen für uns organisiert.
Wir Männer haben mit unterschiedlichen Impulsen unsere eigene Spiritualität für die anderen erlebbar gemacht.
Angekommen sind wir als vertraute Gruppe und voller Dankbarkeit.

Wolfram

In einer Ecke war ich, zusammengekauert. Nun, geht es raus, in den Zug, in den Bus, in den Wald, mit dem Rucksack, auf die Beine. Sie tragen mich, meine Füße. Ich werde getragen von der Gruppe. Ich falle, aber ich falle nicht, also schwebe ich, ich schwebe nicht, die Erde trägt mich. Die Gruppe, ein Chaos, das sich sortiert und findet. Geschichten, die sich öffnen, mir öffnen, und mich öffnen. Vertrauen.Gemeinschaft, Landleben, ich habe Urvertrauen in unsere gemeinsame Fähigkeit,dass wir gemeinsam etwas finden. Endlich!

P.

So ganz versteht man den Segen erst am Ende. Zwischendurch war es auch richtig anstrengend soweit mit dem Rucksack zu laufen. Gar nicht anstrengend, nur manchmal etwas spannend war es, mit den Männern unterwegs zu sein, den Weg zu finden und schließlich eine Übernachtung geschenkt zu bekommen.
Am Ziel angekommen, zurück schauend: Was für ein Geschenk: Mit Männern unterwegs zu sein, spirituelle Erfahrung und Sehnsucht teilen, in der Natur zu gehen und zu verweilen. Sehen wie die Jungen (drei Männer der Jungmännerinitiation 2022) und die Alten zusammen gehören – wie wunderbar. Mit jedem ein Stück Weg gegangen, eine Prise Leben geteilt.
Danke Euch allen!

Hartmut